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Mystische Reisen in
parallele Welten
von Jutta Japing
Der Tiger und
die Eule - 2001
Voller Energie und Freude laufe ich. Nein - nicht draußen im Freien im
Wald oder an irgendeinem Strand. Diesmal auf dem Laufband in meinem
Fitness-Studio.
Beim
Laufen versuche ich mich immer auf einen Punkt vor mir zu konzentrieren,
damit ich schneller meinen Lauf-Rhythmus finde, der mir das Laufen
leicht und mühelos macht.
Als ich
ihn gefunden hatte und eine Zeit lang so vor mich hin lief spürte ich auf
einmal eine andere Atmosphäre in mir und außerhalb von mir. Etwas war
anders – ich befand mich in einer Art Alpha-Zustand. Ich dachte, wie ist
das möglich? Bekomme ich gerade Zugang zu einer anderen Realität obwohl
ich mich bewege? Solche Situationen kannte ich nur aus der Meditation.
Ehrlich gesagt, bekam ich dabei ein bisschen kalte Füße, denn ich verlor
durch meine Gedanken ein wenig meine Konzentration und versuchte mich
beim laufen zu kontrollieren. Gleichzeitig war dieses Gefühl was ich
dabei hatte aber sehr stark und Einzigartig und ich wollte es nicht so
leicht aufgeben. Etwas hielt mich und wollte mich führen.
Bevor
ich also restlos aus meinem Rhythmus kam, erinnerte ich mich an mein
Krafttier - den Tiger.
Ich habe
so meine Erfahrungen mit Krafttieren, sie sind wunderbar, hilfsbereit
und man kann von ihnen lernen. Fast eine Zehntel-Sekunde nach meinem
gedanklichen Wunsch mich zu erinnern erschien mir der Tiger und lieh mir
seine Kraft. Sie durchdrang meinen ganzen Körper, jede Zelle, jede
Faser. Ein leichtes Prickeln durchfloss mich, gleichzeitig wurde ich
intensiver, einfach kraftvoller in meiner Art zu laufen ohne meine
Geschwindigkeit zu erhöhen. Das letztere hätte ich ohnehin nicht gekonnt
– auf einem Laufband – ohne mich von diesem Gefühl zu trennen. Ich
wollte weiter fühlen - es war so aufregend – so – spannend.
Ich
spürte mich wie ich lief, so stolz, so aufrecht, so sicher – mit einem
Speer in der Hand.
Ich war
schon lange nicht mehr auf dem Laufband.
Ich lief
durch einen Wald auf einem schmalen Pfad. Er war Sonnenlicht
durchflutet. Ich sah an mir herunter, versuchte festzustellen wer ich
war. Ich hatte leichte Lederkleidung an - verziert, mit Fransen und
Federn, das Fell eines Berglöwen um die rechte Schulter und fest
gebundene Lederstiefel aus weichem Material. Eine Kopfbedeckung hatte
ich auch. Ich spürte eine Tasche mit Pfeilen und einen Bogen auf meinem
Rücken sowie kleinere von mir erlegte Tiere die ich an der Hüfte trug.
Ja – fünf an der Zahl - nein sechs – Hasen. Hasen mit gräulichem Fell.
Ich war spät dran, bald würde die Sonne untergehen. Aber das machte mir
keine Sorgen. Ich musste an das Rudel Wölfe denken und an den Anführer.
Sie würden versuchen mich abzufangen mit meiner Beute. Ich kannte wohl
alles sehr gut. Die Wälder, die Tiere, den Weg und was mich erwartete.
Nicht im Geringsten hatte ich das Gefühl von Angst. Eher drängte mich
das Gefühl, mich zu entscheiden. Aber für was?
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