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Ich
lief weiter und kam auf eine Lichtung. Die Sonne tauchte schon zur Hälfte
ins dunkel ein, ein kalter Wintertag neigte sich seinem Ende. Ich spürte
bereits die Präsenz der Wölfe. Vor allem des Rudelführers.
Ich bewegte
mich schon abseits der Wälder. So ungefähr zwanzig Meter vom Waldrand
entfernt. Jetzt konnte ich sie sehen. Sie hielten sich noch im Schutz der
Bäume und liefen parallel zu mir.
Die
Unsicherheit die ich trotz allem bisher empfand verstärkte sich kurz – doch
- - -Plötzlich wurde mir alles klar.
Ich hatte
mich entschieden. Abermals spürte ich die eine alles durchdringende Kraft in
mir, ja – ganz deutlich spürte ich den Tiger – in mir. Ich wusste mein Dorf
lag noch einige Meilen
entfernt.
Ich wusste wenn die Sonne ihren letzten Strahl aussendet werde ich es
erreicht haben. Ich lief, so schnell, so kraftvoll – die Wölfe hielten mit.
Sie kamen aus dem Schutz der Bäume heraus. Liefen wie ich auf freier Fläche.
Aber sie blieben auf Distanz. Eine Zeit lang lief ich mit den Wölfen – ich
war ruhig und gelassen, ich dachte – ich kann nur sicher das Dorf erreichen.
Plötzlich blieb das Rudel immer mehr zurück. Nur der Anführer ein großer und
kräftiger schwarzer Wolf blieb bei mir. Noch immer war er auf Distanz und
lief einen Schritt lang voraus. Ich fühlte mich geehrt, es hatte etwas
Erhabenes und gleichzeitig fühlte ich mich mit ihm Eins. Diese Energie –
diese ganz besondere Energie die uns umgab uns führte. Ich wusste dass ich
unbehelligt meines Weges ziehen konnte. Heute, wollte er sich nur mit mir
messen. Wir liefen noch eine Weile und dann gab er auf. Er blieb zurück und
ich dankte ihm still.
Nun war es
nicht mehr weit bis zu meinem Dorf ich konnte bereits die offenen Feuer
erkennen. Die Wälder blieben zurück und ich lief über die Steppe – da
gesellte sich eine weiße Eule zu mir. Sie flog mit großen, lautlosen
Schwüngen an mir vorbei und hin und her, hoch und runter. Ein majestätisches
Tier voller Kraft. Auch sie wahrte eine gewisse Distanz.
Jetzt fiel
es mir ein, ich bin der Schamane unseres Dorfes. Ich war einige Zeit weg und
es ist wichtig für mich wieder im Dorf zu sein. Meine Ankunft wurde schon
erwartet. Die weiße Eule begleitete mich noch bis zu meinem Dorf – dann
verschwand sie.
Nach dem
Begrüßungsritual überreichte ich fünf der Hasen. Es wurden Gespräche
geführt. Ich erzählte was ich erlebte und zog mich als bald an mein Feuer
zurück. Wie ich da so saß im Dämmerlicht an meinem Wigwam – der Himmel hatte
diese wunderbare Indigo-blaue Farbe – kam die weiße Eule zu mir zurück. Sie
setzte sich neben mich auf einen Stein. Wie Selbstverständlich als ob wir
uns schon ewig kennen, teilte ich die restliche Beute mit ihr. Vor meinem
geistigen Auge sah ich wieder den Tiger – nur ganz kurz – er forderte mich
zu irgendetwas auf – aber zu was?
Ich bekam
das Gefühl aufzustehen und aus dem Dorf heraus auf eine freie Ebene zu
gehen. Die Eule folgte mir. Es ist Sternenklare Nacht.
Plötzlich
fühlte ich wieder diese Energie – die Weiße Eule – sie wollte mit mir
spielen. Spielen, wie? Jetzt wusste ich es – der Tiger war nicht nur in mir
und gab mir seine Kraft – ich war der Tiger – und hatte nun seine Gestalt.
Was nun kam kann man kaum in Worte fassen. Das Spiel mit der Eule war das
Spiel der reinen Freude, so von Leichtigkeit und tiefster Freundschaft
geprägt. Ich sah mich als Tiger im Spiel mit einer Eule. Ich konnte es
selbst nicht fassen.
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