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Vorwort
Göttingen - Gießen - Innsbruck, den 13. 5. 1993 Gerhard Köbler
Fast auf den
Tag genau vor 30 Jahren wies mich mein akademischer Lehrer in
Göttingen auf
die besondere Bedeutung der altdeutschen Glossen für die
frühmittelalterliche Kulturgeschichte hin. Gern bin ich dem Hinweis gefolgt und
habe
ihn vielfach
bestätigt gefunden. Nur allzu gern hätte ich dabei ein brauchbares, alle
althochdeutschen Quellen zusammenfassendes Wörterbuch benutzt.
Zur Verfügung
stand dabei in erster Linie der vor allem auf Editionen zwischen 1826
und 1829
beruhende Althochdeutsche Sprachschatz des Königsberger Germanisten
Eberhard
Gottlieb Graff (1780-1841). Seinerzeit ein die verschiedenen althochdeutschen
Mundarten
(Altbayerisch, Altalemannisch, Altfränkisch [,Altsüdrheinfränkisch,
Altrheinfränkisch, Altostfränkisch, Altmittelfränkisch,] Langobardisch usw.)
erstmals
lexikographisch
zusammenfassender Meilenstein der deutschen Germanistik ist dieses
Wörterbuch
heute in vielen Hinsichten überholt. Nicht nur sind seit seinem Erscheinen
die schon
bekannten Quellen in verbesserter Form ediert und viele neue Quellen
aufgespürt
worden, sondern es ist auch deren Inhalt vielfach genauer erschlossen
worden. Hinzu
kommt, daß dieses die Belege umfassend dokumentierende
Grundlagenwerk
wegen seiner Ordnung nach Stammsilben trotz eines 1846 von Hans
Ferdinand
Maßmann besorgten alphabetischen Indexes nicht leicht zu benützen ist.
Einen
einfacheren Zugang vermittelte demgegenüber das 1882 in zweiter Auflage in
zwei Bänden
vorgelegte Altdeutsche Wörterbuch des ebenfalls in Königsberg wirkenden
Germanisten
Oskar Schade, welches sein 1861 erschienenes Altdeutsches Lesebuch
entlasten und
ergänzen sollte. Da es aber den Versuch wagte, die verschiedenen
Lautstände etwa
des Gotischen, des Althochdeutschen, des Altsächsischen und des
Mittelhochdeutschen zu einem annähernd übersichtlichen Ganzen zu gruppieren, und
dabei einen
Lautstand wählte, der noch altertümlich genug sein sollte, zugleich aber
auch den
späteren Formen möglichst entsprechen sollte, blieb ihm der große Erfolg
versagt. Hinzu
kam, daß es unter Zeitdruck mit zahlreichen Unzuträglichkeiten
veröffentlicht
worden war.
Ein kritischer
Neubeginn wurde danach auf Grund des von Elias von Steinmeyer
gesammelten
Materiales im Auftrag der sächsischen Akademie der Wissenschaften von
Elisabeth
Karg-Gasterstädt und Theodor Frings unternommen. Seit 1952 erschien in
Berlin ihr
seine (althochdeutschen) Ansätze nach dem Lautstand der altostfränkischen
Übersetzung der
Evangelienharmonie des Syrers Tatian normalisierendes, die
Stichwörter
grundsätzlich nach dem neuhochdeutschen Alphabet ordnendes Wörterbuch,
welches
einerseits den gesamten in althochdeutschen Texten und Glossaren
überlieferten
Wortschatz, nach Form und Bedeutung untersucht und in seinen Belegen
vollständig
erfaßt, für die weitere Forschung bereitstellen soll und andererseits als
Index zu der
fünfbändigen Ausgabe der althochdeutschen Glossen (d. h.
Einzelworterklärungen) von Steinmeyer und Sievers und zu den kleineren
althochdeutschen Sprachdenkmälern von Steinmeyer gedacht ist. Wegen dieses
ambivalenten
Charakters verzeichnet es zum einen auch mittelhochdeutsche,
altsächsische
und altniederfränkische Ansätze, ist aber zum anderen weder für diese
Sprachen noch
für das Althochdeutsche, für welches es hinsichtlich der in den
lateinischen
Quellen (Urkunden, Chroniken, Viten usw.) der althochdeutschen Zeit
vorkommenden
volkssprachigen Wörter auf einen Supplementband (bzw. für die
VIII Vorwort
Eigennamen auf
einen Ergänzungsband) verweist, erschöpfend. Hinzu kommt, daß es
wegen seiner
Gründlichkeit auch nach vierzig Jahren erst zu weniger als der Hälfte
bearbeitet ist
und zugleich wegen dieses langsamen Fortschreitens gegenüber der
parallelen
Forschung in den erschienenen Teilen in Einzelheiten deutlich veraltet.
Im übrigen
liegen - abgesehen von Wörterbüchern zu einzelnen Texten (z. B. Notker,
Otfrid, Tatian,
Mondseer Fragmente, Isidor, Murbacher Hymnen, kleinere
althochdeutsche
Sprachdenkmäler usw.) - bisher nur zwei Wörterbücher zu größeren
Teilbereichen
vor. Rudolf Schützeichel, dem gegenwärtigen Meister der
althochdeutschen Sprachwissenschaft, verdankt die Forschung ein 1969 in erster,
1974 in
zweiter, 1981
in dritter und 1989 in vierter Auflage veröffentlichtes Althochdeutsches
Wörterbuch. Es
beschränkt sich auf die in allmählicher Entwicklung von ihm
anerkannten
geschlossenen althochdeutschen Texte. Es läßt in dieser Beschränkung die
für seine
alphabetische Ordnung zugrundegelegten Normalisierungen der Ansätze nicht
eindeutig
erkennen, grenzt das Althochdeutsche nicht strikt genug vom Altsächsischen
und
Altniederfränkischen ab, sondert Texte und Glossen nicht völlig überzeugend
voneinander und
geht auf den Einfluß der lateinischen Vorlagen auf das
Althochdeutsche
im Gegensatz zu seinen drei Vorläufern überhaupt nicht ein. Das von
Taylor Starck
angeregte und von John C. Wells ausgearbeitete, von 1971 bis 1990
erschienene
Glossenwörterbuch beschränkt sich im Gegensatz hierzu auf die
volkssprachigen
Glossen. Es normalisiert und alphabetisiert zwar sein Material, trennt
aber die
erfaßten Sprachen nicht klar genug voneinander ab, gibt trotz der fast
vollständigen
Abhängigkeit seiner Belege von lateinischen Vorlagen nur jeweils
höchstens drei
lateinische Vorlagewörter an und ist infolge der nur allmählich erfolgten
Verbesserung
seiner Anlage und durch die Vielzahl seiner Nachträge, Berichtigungen
und Ergänzungen
nicht übersichtlich genug.
Aus all dem
folgt, daß es nicht nur vor 30 Jahren das gesuchte, alle althochdeutschen
Quellen
zusammenfassende althochdeutsche Wörterbuch noch nicht gegeben hat,
sondern daß es
auch heute dieses grundlegende Forschungsinstrument noch nicht gibt.
Deswegen soll
es nach langjährigen Vorarbeiten hier versucht werden. Dabei sollen
folgende
Grundsätze Anwendung finden.
Allgemein geht
es darum, den gesamten Wortschatz des Althochdeutschen als der
gegenüber dem
Germanischen durch die sog. althochdeutsche Lautverschiebung
gekennzeichneten ältesten Sprachstufe des Hochdeutschen zu erfassen, welche
vielleicht
bis ins 6.
Jahrhundert, jedenfalls aber bis ins frühe 8. Jahrhundert zurückreicht und um
die Mitte des
11. Jahrhunderts in das Mittelhochdeutsche übergeht. Deswegen sind
nicht nur die
etwa 290 000 Wörter der 74 bekannten althochdeutschen Texte, welche
durch rund 125
(bzw. 200) Handschriften überliefert werden und sich auf etwa 11 000
Stichwörter
aufteilen, einbezogen, sondern auch die rund 210 000 volkssprachigen
Glossenbelege
(Einzelworterklärungsbelege) zu meist antiken lateinischen Texten,
welche durch
mehr als 1100 Handschriften tradiert sind und zu etwa 22 000
Stichwörtern
gehören. Darüber hinaus sind erstmals auch die sonstigen
althochdeutschen bzw. lateinisch-althochdeutschen Einsprengsel in
frühmittelalterlichen
lateinischen
Texten wie Urkunden, Chroniken, Viten usw. aufgenommen, soweit sie mir
(in etwa gut
1000 Fällen) bekannt geworden sind. Und schließlich habe ich viertens
erstmals
versucht, in zahlreichen Fällen zufällige Überlieferungslücken durch
systematische
Verwertung des überlieferten Wortschatzes zu schließen. Nicht
mindestens
teilweise althochdeutsche Wörter der einbezogenen Quellen sind bei dieser
IX Vorwort
Zusammenstellung ausgesondert, auch nur teilweise althochdeutsche Wörter aus im
übrigen
nichtalthochdeutschen Denkmälern dagegen aufgenommen. Über Verweise ist
hierbei
mittelbar auch der gesamte altsächsische und altniederfränkische Wortschatz
verwertet.
Geordnet ist
dieser gesamte, erstmals in rund 40 000 Ansätzen bzw. Verweisen das
gesamte
Althochdeutsche und zugleich auch unmittelbar nur dieses erfassende Stoff
nach dem
modernen deutschen Alphabet. Im Gegensatz zu den Vorgängern habe ich
dabei unbetonte
Vorsilben nicht anders behandelt als betonte Vorsilben. Homonyme
(völlig
gleichlautende) Ansätze sind nach vergebenen Kennziffern (1), (2), (3) usw.
aufgereiht.
Jeder
Wörterbuchartikel beginnt mit einem von den Schreibgewohnheiten bzw. dem
Lautstand der
um 830 in Fulda entstandenen altostfränkischen Übersetzung der
Evangelienharmonie des Syrers Tatian ausgehenden wissenschaftlichen und insofern
künstlich
vereinfachenden Normalansatz (Normalform), auch wenn dieser selbst
quellenmäßig
nicht überliefert ist. Nur so kann dem interessierten modernen Benutzer
der
althochdeutsche Wortschatz übersichtlich dargestellt werden. Will er sich über
die
ganz
unterschiedlichen Schreibgewohnheiten aller althochdeutschen Schreiborte bzw.
Schreiber
genauer in Kenntnis setzen, muß er von der Ebene des Wörterbuchansatzes
auf diejenige
der Texte bzw. Belegverzeichnisse fortschreiten.
Nicht gefolgt
wird dabei anderen normalisierenden Wörterbüchern darin, ein unter k,
kk oder sk
eingeordnetes Wort mit c, ck oder sc anzusetzen. Vielmehr wird jeder
Ansatz so
gebildet, daß er sich dort findet, wo ihn der Benutzer nach dem modernen
Alphabet
erwartet (z.B. wird ein unter sk eingeordnetes Wort auch mit sk angesetzt).
Statt der im
Germanischen vorhandenen Buchstaben bzw. Buchstabenfolgen þ, (h)l, (h)
n, (h)r, (h)w
werden - wie allgemein üblich - d, l, n, r, w gebraucht.
Lange Vokale
werden dabei grundsätzlich wie kurze Vokale behandelt. Allerdings
sind die
entsprechenden Wörter nicht homonym und wird deshalb das Wort mit
kurzem Vokal
einem nur durch die Länge eines Vokals von ihm geschiedenen zweiten
Wort
vorausgeordnet (z. B. ahtunga vor õhtunga). Kann ein Vokal kurz und lang sein,
werden für das
Althochdeutsche beide Formen nebeneinander verwendet (z. B. bara,
bõra), während
für die anderen Sprachen die Vokalzeichen À, Á, Â, Å, È usw. benützt
werden.
Jeder in dieser
Weise vollständig normalisierte und alphabetisch eingeordnete Ansatz
ist dann durch
ein Sternchen (*) am Wortanfang gekennzeichnet, wenn er nicht durch
mindestens
einen (zu seinem Paradigma gehörenden) Beleg der Überlieferung gesichert,
sondern nur
(auf Grund von mittelbaren Zeugnissen) erschlossen ist. Ist (nach Ausweis
der jeweiligen
Editionen) ein Wort nur in einer nicht dem Ansatz entsprechenden
Form bzw.
Schreibweise bezeugt, also nur grammatikalisch oder orthographisch
abgewandelt
überliefert, zeigt ein Sternchen am Ende des Ansatzes diese Besonderheit
an. Maßgeblich
ist dabei die buchstabengetreue Übereinstimmung, welche etwa nicht
besteht
zwischen i und j, zwischen u und v oder zwischen uu und w. Die Tatsache der
Groß- oder
Kleinschreibung wird hierbei nicht berücksichtigt. Gängige Geheimschriften
und Abkürzungen
werden dagegen umgewandelt und aufgelöst. Übergeschriebene
Buchstaben
werden beachtet.
Diesem
allgemeinen Hinweis auf die Beleglage folgt in der Regel eine durch
Auszählen, bei
hohen Belegmengen manchmal auch durch Schätzen ermittelte Zahl der
(mindestens
teilweise) althochdeutschen Belege des Stichworts, wobei mehrere
X Vorwort
Handschriften
desselben Textes grundsätzlich nur als ein einziger Beleg gewertet
werden.
Allerdings war es mir dabei ebenso wie der gesamten bisherigen Forschung
nicht möglich,
alle schon mittelhochdeutschen Glossenbelege von den (mindestens
teilweise) noch
althochdeutschen Belegen zu trennen, so daß diese Zahlen nur einen
relativen
Aussagewert besitzen. Bei Beachtung dieser Besonderheit ergeben sie aber
doch schon
einen ersten Hinweis auf die Bedeutung eines Wortes im Althochdeutschen
bzw. genauer in
der auf uns gekommenen Überlieferung des Althochdeutschen.
Zusätzlich zu
der Hauptform des Ansatzes, welche die alphabetische Einordnung
eines
Stichwortes uneingeschränkt bestimmt, sind an verschiedenen Stellen
Nebenformen
beigegeben worden, welche andere Normalisierungsvorschläge einbinden
wollen und
zugleich die weitere Sprachentwicklung andeuten können. Hierher gehören
etwa c, ch, ck,
ph, sc und v neben k, hh, kk, pf, sk und f (z.B. akkar, ackar, druk,
druc, hafan,
havan). Regelmäßig wird dabei vom Standort der Nebenform auf den
Standort der
Hauptform verwiesen.
An Hauptform
und eventuelle Nebenform des Ansatzes schließt sich die Angabe der
zugehörigen
Sprache an. Sie lautet im Zweifel ahd. (d.h. althochdeutsch), kann aber
wegen der
Besonderheiten des ebenfalls einbezogenen Langobardischen auch auf diese
(knapp 1000
Ansätze bietende) Sprache hinweisen (lang.). Bei Mischwörtern ist
dementsprechend
auch die Kennzeichnung als lateinisch-althochdeutsch (lat.-ahd.) oder
lateinisch-langobardisch (lat.-lang.) möglich. In unsicheren Fällen ist sie mit
einem
Fragezeichen
versehen.
Dem folgt die
genaue grammatikalische Bestimmung des Stichwortes. Im
Vordergrund
stehen dabei die nach den allgemeinen Gepflogenheiten abgekürzt
gekennzeichneten Wortarten. Darüber hinaus ist aber hier erstmals auch der
Versuch
gemacht, eine
genauere Klassifikation vorzunehmen (z.B. Stämme der Substantive,
Klassen der
Verben usw.). Unsicherheiten sind auch hier jeweils durch Fragezeichen
offengelegt.
An das damit
abgeschlossene Lemma wird (nach einem Doppelpunkt) die Angabe
der
neuhochdeutschen Bedeutungen (nhd.) angeschlossen. Sie verwertet in weitem
Umfang die
vorliegende Literatur, welche für die Bedeutungsermittlung so weit wie
möglich vom
jeweiligen Kontext ausgeht. Darüber hinaus versucht sie, in vorsichtiger
Weise die
Zufälligkeiten auszugleichen, welche sich bei diesem bloß kontextbezogenen
Vorgehen aus
dem vielfach doch recht engen Überlieferungsbefund ergeben. Zusätzlich
bemüht sie sich
verschiedentlich darum, dem Leser die geschichtliche Entwicklung der
Bedeutungen
dadurch nahezubringen, daß sie teils eine möglichst wörtliche Wiedergabe
in
neuhochdeutschem Sprachmaterial vornimmt, wie dies die frühmittelalterlichen
Autoren bei
ihrer Begegnung mit ihren lateinischen Vorlagen ebenfalls getan haben
dürften, daß
sie teils aber auch die heutigen Inhalte des Wortes verzeichnet. Beides
geschieht
jedoch jeweils nur innerhalb von Anführungszeichen (»....«).
Um das Werk
einer internationalen Gelehrtenwelt leichter zu eröffnen, folgen den
neuhochdeutschen Bedeutungsangaben einfache neuenglische (ne.)
Bedeutungsangaben.
Im Zweifel
gebührt dabei wegen des zusätzlich notwendigen Übersetzungsvorganges
den
neuhochdeutschen Angaben der Vorzug. Immerhin ermöglichen die neuenglischen
Angaben aber
auch dem nichtdeutschsprachigen Interessenten an der deutschen
Germanistik
einen ersten Einstieg in das Althochdeutsche.
An diese
Bedeutungsangaben schließen sich (unter ÜG.:) alle lateinischen Teile der
lateinisch-althochdeutschen Übersetzungsgleichungen an. Sie sind keine
XI Vorwort
Bedeutungsangaben in Latein aus heutiger Sicht, sondern wollen in normalisierter
Form
und
alphabetisierter Reihenfolge sowie unter summarischer Angabe der zugehörigen
Quellen nur
anzeigen, welches lateinische Wort einer lateinischen Vorlage (der
römisch-christlichen Antike) dem althochdeutschen Verfasser bei der
(übersetzenden)
Verwendung
seines jeweiligen althochdeutschen Wortes vorgelegen hat (oder mit
größter
Wahrscheinlichkeit vorgelegen hat). Wegen der grundsätzlichen Herkunft der
althochdeutschen Zeugnisse aus dem lateinisch-althochdeutschen
Übersetzungsvorgang
wird nämlich
das Althochdeutsche erst bei Kenntnis dieser Übersetzungsbezüge wirklich
verständlich
und kann seinerseits Rückwirkungen auf das Verständnis der lateinischen
Sprache im
Frühmittelalter entfalten.
Die sich hieran
anschließenden Verweise stellen sodann (unter Vw.:) in erster Linie
die durch die
strenge Alphabetisierung notwendigerweise zerrissenen
Sachzusammenhänge in einfacher und leicht verständlicher Weise wieder her, indem
sie
von allen
Grundwörtern bzw. bloßen Wortelementen auf die mit ihnen gebildeten
Zusammensetzungen verweisen, wobei der bloße Gedankenstrich ausschließlich die
Normalform des
jeweiligen Lemmas ersetzt, von welchem verwiesen wird. Hinzu
kommen
verschiedentlich sonstige Hinweise innerhalb des Althochdeutschen. Schließlich
wird, weil das
Althochdeutsche in der Überlieferung gegenüber dem Altsächsischen und
Altniederfränkischen eindeutig vorherrscht und eine Abgrenzung zwischen diesen
drei
Sprachen des
öfteren überhaupt nicht oder zumindest nicht eindeutig möglich ist, von
jedem (, wenn
auch nur auf der Grundlage des Altsächsischen oder Altniederdeutschen
erst
erschlossenen,) althochdeutschen Stichwort auf eine eventuell vorhandene
altsächsische
oder altniederfränkische Überlieferung verwiesen.
Danach folgen
(unter Q.:) summarische Angaben der Quellen, in denen das jeweilige
Stichwort
belegt ist. Aus praktischen Gründen wird dabei den Kennzeichnungen der
Texte durch
Siglen seitens Rudolf Schützeichels weitgehend gefolgt. Insbesondere mit
den
zusätzlichen Siglen Gl und Urk wird sachlich aber ein erheblich weiterer Umfang
von Material
einbezogen. Der jeweils ältesten Quelle ist dabei trotz aller auch damit
verbundenen
Schwierigkeiten und Unsicherheiten eine Jahreszahl ihrer vermutlichen
Entstehungszeit
bzw. hilfsweise der Entstehungszeit ihrer Überlieferung beigefügt,
welche erkennen
läßt, wann etwa das Stichwort erstmals in der Überlieferung erscheint.
Der Abschnitt
Interferenz (I.:) prüft erstmals für jedes der behandelten Stichwörter
die Frage, in
welchem Maße es durch die Begegnung der althochdeutschen Welt mit
einer fremden
Sprache beeinflußt worden ist. Hierbei werden Lehnwort,
Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Lehnschöpfung und Lehnbedeutung unterschieden
und
Unsicherheiten wieder durch Fragezeichen kenntlich gemacht. Insgesamt läßt sich
hieraus ohne
weiteres ein erstes Gesamtbild der stürmischen Entwicklung des
Althochdeutschen in der Zeit seiner Begegnung mit dem antik-christlichen Erbe
gewinnen.
Im Anschluß
hieran geht die Rubrik Etymologie (E.:) in gebotener Kürze
systematisch
der Frage der etymologischen Herkunft jedes Ansatzes nach. Abgesehen
von den Fällen
der Lehnwörter bedeutet dies die Suche nach Vorformen vor allem im
(allerdings
seinerseits nur rekonstruierten) Germanischen. Darüber hinaus lassen sich
aber in vielen
Fällen und in verschiedenen Abstufungen der Wahrscheinlichkeit auch
die aus dem
Indoeuropäischen kommenden (rekonstruierten) älteren Wurzeln aufzeigen.
Dem folgt
(unter W.:) ein in dieser Breite erstmals unternommener Versuch, die
weiterlebenden
Teile des Althochdeutschen zusammenzustellen. Dabei wird auf das
XII Vorwort
Mittelhochdeutsche und das Neuhochdeutsche ausgegriffen. In zahlreichen Fällen
werden in
diesem Zusammenhang auch die neuzeitlichen Mundarten einbezogen.
Den vorläufigen
Beschluß jedes Artikel bildet (unter R.:) ein Überblick über die
wichtigsten
überlieferten Redensarten. Er vermag zwar nicht, eine vollständige
Auflistung
aller Kontexte und damit auch aller syntaktischen Verhältnisse, wie sie nur
einem Werk
größeren Umfanges möglich ist, zu ersetzen. Er gibt aber doch einige
Hinweise auf
besondere Gebrauchsmöglichkeiten des Wortes, die in den Ausgaben bzw.
Einzelwörterbüchern ohne weiteres vertieft werden können.
Faßt man all
dies zusammen, so ergibt sich, daß das neue, erstmals maschinenlesbar
aufgezeichnete
Wörterbuch, das seine Vorläufer weder verdrängen will noch ersetzen
kann, mit Hilfe
seines neuartigen Zuschnittes in aller Kürze eine bisher noch nicht
bekannte Fülle
von Informationen zur deutschen Sprachgeschichte vereinigt und für
jedermann auch
ohne spezielle Vorkenntnisse leicht zugänglich macht. Wer sich
darüber hinaus
für Einzelfragen interessiert, findet in einer umfangreichen
Bibliographie
alle bedeutenderen Arbeiten der neueren althochdeutschen Forschung
(einschließlich
der Editionen und Handschriftenverzeichnisse), welche ihm zu weiterer
Klärung
verhelfen können. Zusätzliche Register werden zudem den Inhalt des Buches
von allen
berücksichtigten Seiten (neuhochdeutsch, neuenglisch, lateinisch, germanisch,
indogermanisch,
altsächsich, altniederfränkisch und mittelhochdeutsch) her aufschließen.
Daß mir dieses
Werk möglich geworden ist, verdanke ich auch meinen hilfsbereiten
Mitarbeitern,
von denen ich nur Monika Frese, Marianne Wischmeier-Bayer, Peter
Kaser, Josef
Schönegger, Claudia Scheiber und Veronika Schönegger besonders
hervorheben
möchte. Zu danken habe ich ebenso meinen Lehrern, Kollegen und
Freunden,
welche mir Unterstützung zuteil werden haben lassen. Um Nachsicht zu
bitten habe ich
schließlich alle meine möglichen Kritiker, die sich aber auch jeweils
fragen sollten,
warum die sonstige Forschung ein ähnliches Werk bis zum heutigen
Tage nicht
vorgelegt hat, obwohl es die deutsche Kulturnation längst benötigt und
verdient hätte.
Möge das neue
Buch künftig die Bearbeitung der deutschen und damit auch
europäischen
Kulturgeschichte so erleichtern, wie ich mir dies schon vor 30 Jahren
gewünscht habe.
Göttingen -
Gießen - Innsbruck, den 13. 5. 1993 Gerhard Köbler
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Inhaltsverzeichnis XV
Siglenverzeichnis XVII
Abkürzungsverzeichnis XXI
Literaturhinweise XXV
Kurze
Einführung in die
althochdeutsche
Sprachwissenschaft LXIX
XIV Vorwort
Siglenverzeichnis
AB =
Altbayerische Beichte (Anf. 9. Jh., abay. [,afrk.])
AG = Augsburger
Gebet (Ende 9. Jh.?, arhfrk.)
APs =
Altalemannische Psalmenübersetzung (1. Hälfte 9. Jh., Reichenau?, aal.)
B =
Benediktinerregel, althochdeutsche (800, St. Gallen?, aal.)
BB =
Bruchstücke einer Beichte, Vorauer Beichte (Ende 9. Jh., abay.)
BG =
Altbayerisches Gebet (Anf. 9. Jh., Regensburg?, abay. [,afrk.])
BI = Binger
Inschrift (Ende 10. Jh., arhfrk.)
BR = Basler
Rezepte (8. Jh.?, aofrk. [,abay., ae.])
BS = Blutsegen,
Longinussegen (Ende 10.
Jh.?, aal.?)
C
= Carmen ad Deum (Mitte 9. Jh., abay.)
Cap = Capitularia (6.-10.
Jh.,
unterschiedliche ahd. Sprachzugehörigkeit)
Ch = Christus
und die Samariterin (Ende 9. Jh.?, afrk./aal.)
DH = De Henrico
(Ende 10./Anf. 11. Jh., anrhfrk.? [,as.])
E = Exhortatio
ad plebem christianam (Anf. 9. Jh., abay.)
EV = Einhardi
Vita Karoli (830-40?, aofrk.?)
FB = Fuldaer
Beichte ([830,] 10. Jh.?, Fulda, aofrk.)
FF = Fuldaer
Federprobe (9. Jh., aofrk.?)
FG =
Fränkisches Gebet (821, arhfrk. [,abay.])
FP = Freisinger
Paternoster (Anf. 9. Jh., Bayern, abay.)
FT =
Fränkisches Taufgelöbnis (Ende 8. Jh.?, aofrk.)
G = Georgslied
(Ende 9. Jh., Weißenburg?, St. Gallen?, Reichenau?, Prüm?,
aal.,
afrk.[,roman.])
GA = St. Galler
Schularbeit (Brief Ruodperts) (1. Hälfte 11. Jh., St. Gallen, aal.)
Gl = Glossen
(aus mehr als 1100 Handschriften zwischen 1. Hälfte 8. Jh. und 15.
Jh.,
unterschiedliche ahd. Sprachzugehörigkeit)
GP = St. Galler
Paternoster und Credo (Ende 8. Jh., aal.)
GSch = St.
Galler Schreibervers (2. Hälfte 9. Jh., St. Gallen, aal.)
GSp = St.
Galler Sprichwörter (11. Jh., aal.)
GV = St. Galler
Spottverse (2. Hälfte 9. Jh. [I], 9./10. Jh. [II], 10. Jh. [III], aal.)
Hi =
Hildebrandslied ([1. Hälfte 8. Jh.?, Oberitalien,] 8. Jh., Bayern?, abay.
[,as.])
HH = Hirsch und
Hinde (Ende 10. Jh.?, St. Gallen?, aal.?)
HM =
Hammelburger Markbeschreibung ([777, aofrk.])
I = Isidor,
althochdeutscher (Ende 8. Jh., Lothringen?, asrhfrk.?)
JB = Jüngere
bayerische Beichte (1000, abay.)
KG = Kasseler
Gespräche (8. Jh.?, Bayern?, abay.)
KI = Kölner
Inschrift (860?, Köln?, amfrk.?)
KT = Kölner
Taufgelöbnis (811?, Köln?, amfrk.)
KV =
Kicila-Vers (Mitte 11. Jh.?, Reichenau?, arhfrk.?, aal.?)
L = Ludwigslied
(882?, Niederlothringen?, arhfrk.?)
LAl = Lex
Alamannorum (712/25?, 7. Jh.?)
LB = Lorscher
Beichte (Ende 9. Jh., Lorsch, arhfrk.?)
LBai = Lex
Baiwariorum (vor 743)
LF = Lex Salica
(-Fragment), althochdeutsche(s) (Anf. 9. Jh., aofrk./abay.?)
LLang = Leges
Langobardorum (643ff. Oberitalien, lang.)
LN =
Liebesantrag an eine Nonne (Kleriker und Nonne) (Anf. 11. Jh.?/Ende 10.
Jh.?,
anrhfrk.?, athür.?)
LRib = Lex Ribvaria (7. Jh.?, afrk.)
XV Vorwort
LS = Lorscher
Bienensegen (10. Jh., Lorsch, arhfrk.)
LThur = Lex
Thuringorum (um 800)
LVis = Leges Visigothorum (7. Jh.)
M
= Muspilli (9.
Jh.?, 810?,
830?, abay.?)
MB = Mainzer
Beichte (vor 962, arhfrk.)
MF =
Mondsee(-Wiener)-Fragmente (Ende 8. Jh., Lothringen?, asrhfrk./abay.)
MG =
Merseburger Gebetsbruchstück (Anf. 9. Jh.?, aofrk.)
MH = Murbacher
Hymnen (810-17, Reichenau?, aal.?)
MNPs =
Altsüdmittelfränkische (und altostniederfränkische) Psalmen (9. Jh., asmfrk.
[und aonfrk.,
as.])
MNPsA =
Altsüdmittelfränkische (und altostniederfränkische) Psalmenauszüge
(Auszüge aus
MNPs durch den Humanisten Lipsius von etwa 1598)
MZ =
Merseburger Zaubersprüche (1. Hälfte 8. Jh.?, athür.?, aofrk.?)
N = Notker
(980-1022, St. Gallen, aal.)
NP = Notker
(zusätzliche Textwörter der St. Pauler Bruchstücke, 12. Jh.?)
NGl =
Notkerglossator (2. Vt. 11. Jh., St. Gallen, aal.)
NGlP =
Notkerglossator (zusätzliche Glossen der St. Pauler Bruchstücke)
O = Otfrid
(863-871, Weißenburg, aal.)
OG = Otlohs
Gebet (nach 1067, abay.)
ON =
Ortsname(n)
P = Petruslied
(Freisinger Bittgesang an den heiligen Petrus) (Mitte 9. Jh.?,
abay.)
PAl = Pactus
Alamannorum (7. Jh.)
PE =
Priestereid (1. Hälfte 9. Jh.?, abay.)
PfB = Pfälzer
Beichte (10. Jh.?, Weißenburg?, asrhfrk.)
PG = Pariser
Gespräche (Althochdeutsches Gesprächsbüchlein) (9. Jh.?, amfrk.?,
anfrk.?])
Ph =
Physiologus (2. Hälfte 11. Jh., aal.)
PLSal = Pactus legis Salicae (507-11?)
PN
= Personenname(n)
PNe = Pro Nessia (10. Jh.?, abay.)
Psb = Psalm 138 (um 930, abay.)
PT
= Pariser Tatianfragmente ([830, Fulda,] aofrk.)
RB =
Reichenauer Beichte (10. Jh., arhfrk.)
RhC =
Rheinfränkische Cantica (900?, arhfrk./amfrk.)
SG = Sigiharts
Gebet (Anf. 10. Jh., abay.)
SPs =
Sächsische Psalmenbruchstücke (10. Jh., Westfalen?, as./arhfrk./ae.)
T = Tatian,
althochdeutscher (830, Fulda, aofrk./aal.)
TC = Trierer
Capitulare (Mitte 10. Jh., Trier?, amfrk.)
TSB = Trierer
Pferdesegen (B) (Trierer Spruch) (10. Jh.?, Trier, arhfr [,as.?])
TSp = Trierer
Spruch (Trierer Reimspruch) (Anf.? 11. Jh.?, Trier, arhfrk., as.?])
TV = Trierer
Verse wider den Teufel (Ende 9. Jh.?, Trier, altmoselfrk.?, arhfrk.?)
Urk = Urkunde,
Vita, Chronik usw.
W =
Wessobrunner Schöpfungsgedicht und Gebet (766-800, abay. [,as.?, ae.?])
WB = Würzburger
Beichte (Mitte 9. Jh., Würzburg, aofrk. [,anfrk.?])
WK =
Weißenburger Katechismus (790?, Worms?, asrhfrk.)
WM = Würzburger
Markbeschreibungen (8. Jh., Würzburg, aofrk.)
WS = Wiener
Hundesegen (1. Hälfte 10. Jh.?, abay.)
WU =
Weingartener Buchunterschrift (11. Jh., Weingarten, aal.)
XVI Vorwort
Verzeichnis der
wichtigsten Abkürzungen
a. auch athür.
altthüringisch
A. Auflage av.
avestisch
aal.
altalemannisch avellin. Mundart von Avellino
abay.
altbayerisch avenez. altvenezianisch
abgel.
abgeleitet B. Beleg(e)
abret.
altbretonisch bask. baskisch
Adj. Adjektiv
Bd. Band, Bände
Adv. Adverb
bellun. Mundart von Belluno
adv. adverbial
bergam. Mundart von Bergamo
adversat.
adversativ Bez. Beziehung
ae. altenglisch
bologn. Mundart von Bologna
A.f.d.A.
Anzeiger für deutsches borm. Mundart von Bormio
Altertum und
deutsche bresc. Mundart von Brescia
Literatur byz.
byzantinisch
afries.
altfriesisch com. Mundart von Como
afrk.
altfränkisch cremon. Mundart von Cremona
afrz.
altfranzösisch Dat. Dativ
ahd.
althochdeutsch dekl. deklinabel
ai. altindisch
defekt. defektiv
air. altirisch
Demonstr. Demonstrativ
ais.
altisländisch dial. dialektisch, dialektal
ait.
altitalienisch DW Deutsches Wörterbuch
Akk. Akkusativ
Du. Dual
Akt. Aktiv E.
Etymologie
amfrk.
altmittelfränkisch emil. emilisch
amoselfrk.
altmoselfränkisch enklit. enklitisch
ampezz. Mundart
von Ampezzo Ew. Erbwort
and.
altniederdeutsch exc excipit
Anf. Anfang F.
Femininum
anfrk.
altniederfränkisch fnhd. frühneuhochdeutsch
Anm. Anmerkung
Frageadv. Frageadverb
anom. anomal
friaul. friaulisch
anrhfrk.
altnordrheinfränkisch frz. französisch
aonfrk.
altostniederfränkisch gall. gallisch
apers.
altpersisch gasc. gascognisch
aport.
altportugiesisch gen. Mundart von Genua
apreuß.
altpreußisch Gen. Genitiv
aram. aramäisch
germ. germanisch
arcev.
arcevisch, Mundart von gilh. Mundart von Gilhoc
Arcevia got
gotisch
arezz. Mundart
von Arezzo gr. griechisch
arhfrk.
altrheinfränkisch guastall. Mundart von Guastalla
Art. Artikel
hebr. hebräisch
as.
altsächsisch hess. hessisch
aschwed.
altschwedisch hg. herausgegeben
asmfrk.
altsüdmittelfränkisch holst. holsteinisch
XVII Vorwort
asrhfrk.
altsüdrheinfränkisch Hs. Handschrift
athem.
athematisch hypothet. hypothetisch
I. Interferenz
N. Neutrum
idg.
indogermanisch nb nichtbiblisch
Imp. Imperativ
ne. neuenglisch
inc incipit
neg. negativ
Ind. Indikativ
nfrz. neufranzösisch
Indef.
Indefinitiv nhd. neuhochdeutsch
indekl.
indeklinabel nis. neuisländisch
Inf. Infinitiv
nl. niederländisch
Instrum.
Instrumental Nom. Nominativ
Interj.
Interjektion nordit. norditalienisch
interrog.
interrogativ nprov. neuprovenzalisch
intr.
intransitiv Num. Kard. Grundzahl
it. italienisch
Num. Ord. Ordnungszahl
Jh. Jahrhundert
oberd. oberdeutsch
kalabr.
kalabresisch oberit. oberitalienisch
kat.
katalanisch obers. obersächsisch
kelt. keltisch
ON. Ortsname
Komp.
Komparativ Opt. Optativ
Konj.
Konjunktion o.s. oneself (selbst)
Konjekt.
Konjektur osset. ossetisch
kons.
konsonantisch Part. Partizip
ksl.
kirchenslawisch Partik. Partikel
lang.
langobardisch pass. passivisch
lat. lateinisch
Pass. Passiv
Lbd.
Lehnbedeutung PBB Paul und Braunes
Lbi.
Lehnbildung Beiträge zur Geschichte
lett. lettisch
der deutschen Sprache lit.
litauisch und
Literatur
lomb.
lombardisch Perf. Perfekt
lothr.
lothringisch Pers. Person
Lsch.
Lehnschöpfung piem. piemontesisch
lucc. Mundart
von Lucca pist. Mundart von Pistoja
Lüs.
Lehnübersetzung Pk Pokorny
Lüt.
Lehnübertragung Pl. Plural
lux.
luxemburgisch PN. Personenname
Lw. Lehnwort
poit. poitevinisch
lyon.
lyonesisch port. portugiesisch
m. mit Poss.
Possessiv
M. Maskulinum
Präd. Prädikat
magyar.
magyarisch Präf. Präfix
me.
mittelenglisch Präp. Präposition
meckl.
mecklenburgisch Präs. Präsens
mgr.
mittelgriechisch Prät. Präteritum
mhd.
mittelhochdeutsch Prät.-Präs. Präterito-Präsens
mlat.
mittellateinisch Pron. Pronomen
mnd.
mittelniederdeutsch Pron.-Adj. Pronominaladjektiv
mnfrk.
mittelniederfränkisch prov. provenzalisch
mnl.
mittelniederländisch Ps. Psalm
montañ. Mundart
von Montañes Q. Quelle(n)
XVIII Vorwort
mozarab.
mozarabisch R. Redewendung(en)
refl. reflexiv tirol. tirolisch
reggio-emil.
Mundart von
Reggio tosk. toskanisch
Emilia tr.
transitiv
Relat. Relativ
türk. türkisch
rom. romanisch
ÜE. Übersetzungsentroveret.
Mundart von
Rovereto sprechung(en)
rum. rumänisch
ÜG. Übersetzungsgleichrun.
runisch
ungen(en)
s. siehe
unpers. unpersönlich
S. Seite unr.
unregelmäßig
sard.
sardinisch urspr. ursprünglich
Sb. Substantiv
v. von
schles.
schlesisch V. Verb
schlesw.
schleswigisch valses. Mundart von Valsesia
schwäb.
schwäbisch valvest. Mundart von Valvestino
schweiz.
schweizerdeutsch veltl. veltlinisch
Sg. Singular
venez. venezianisch
siz.
sizilianisch veron. Mundart von Verona
skyth.
skythisch vgl. vergleiche
slaw. slawisch
vlat. vulgärlateinisch
s.o. someone
(jemand) Vok. Vokativ
Son. Sonstiges
volterr. Mundart von Volterra
span. spanisch
Vt. Viertel
st. stark Vw.
Verweis(e)
steir.
steirisch wfäl. westfälisch
s.u. siehe
unter wgot. westgotisch
subst.
substantiviert W. Weiterleben
südfrz.
südfranzösisch wallis. wallisisch
Suff. Suffix
z.B. zum Beispiel
Superl.
Superlativ Z.f.d.W. Zeitschrift für deutsche
s.v. sub voce
Wortforschung
sw. schwach
z.T. zum Teil
tatar.
tatarisch
XIX Vorwort
Bibliographie
zum Althochdeutschen
Die hier
vorgelegte umfassende Zusammenstellung des althochdeutschen Wortschatzes
beruht auf
ausgedehnter Forschungstätigkeit zahlreicher Generationen von Germanisten.
Diese reicht
von der Aufspürung des altdeutschen Materials über dessen Edition,
Einordnung und
Deutung bis zur lexikographischen Verwertung. Da ein
Handwörterbuch
selbst diese wissenschaftlichen Leistungen zwar zugrundelegen, nicht
aber im
einzelnen dokumentieren kann, ist es auf eine bibliographische
Gesamtübersicht
der wichtigsten einschlägigen Arbeiten verwiesen, wie sie im folgenden
für alle an
weiterer Vertiefung interessierte Benutzer gegeben wird.
Abbott, T., Catalogue of the Manuscripts in the Library of Trinity College, 1900
Ackeren, W.
van, Die althochdeutschen Bezeichnungen der septem peccata criminalia
und und ihrer
filiae, Diss. phil. Greifswald, 1904
Adelung, J.,
Glossarium manuale ad scriptores mediae et infimae latinitatis, Bd. 1ff.
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Ahlsson, L.,
Die altfriesischen Abstraktbildungen, 1960
Aitken, P. s. Young, J./Aitken, P., A Catalogue of the Manuscripts in the
Library of
the Hunterian Museum in the University of Glasgow
Alanne, E., Die
deutsche Weinbauterminologie in althochdeutscher und
mittelhochdeutscher Zeit, 1950
Albers, K., Der
lateinische Wortschatz des Abrogans, Diss. phil.
Münster (1954) 1956
Alexander, J. s. Pächt, O./Alexander, J., Illuminated Manuscripts in the
Bodleian
Library
Alkuin-Briefe
und andere Traktate. Im Auftrage des Salzburger Erzbischofs Arn um
799 zu einem
Sammelband vereinigt. Codex Vindobonensis 795 der Österreichischen
Nationalbibliothek. Einführung v. Unterkirchner, F., 1969, Codices selecti
phototypice
impressi 20
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Der Psalter Notkers von St. Gallen, FS Vollmer, H., 1941, 164-181
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K., Die Germanismen des Litauischen, Teil 1 1934
Das älteste
deutsche Buch. Die »Abrogans«-Handschrift der Stiftsbibliothek St. Gallen,
hg. v.
Bischoff, B./Duft, J./Sonderegger, S., 1977
Althochdeutsch,
hg. v. Bergmann, R. u.a., Bd. 1f. 1987
Althochdeutsche
Glossen. Erste Sammlung, nebst einer litterarischen Übersicht
althochdeutscher und altsächsischer Glossen, hg. v. Hoffmann, A., 1826
Althochdeutsches Wörterbuch, hg. v. Karg-Gasterstädt, E./Frings, T., Bd. 1ff.
1952ff.
Die
altostniederfränkischen Psalmenfragmente, die Lipsiusschen Glossen und die
altsüdmittelfränkischen Psalmenfragmente, hg. v. Helten, W. van, 1902, Neudruck
1971
André, J., Les noms d'oisseaux en latin, 1967
André, J., Lexique des termes de botanique en latin, 1956
Antolin, G., Catálogo de los Códices latinos de la Real Biblioteca del Escorial,
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Madrid 1910ff.
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Urslavische Grammatik: Einführung in das vergleichende Studium der
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XX Vorwort
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Gotische Lehnwörter im Althochdeutschen, Diss. phil. Marburg, 1933
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Etymologie von Krieg. Aus der Werkstatt des althochdeutschen
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Auszüge aus
einer lateinischen Pergament-Handschrift der Freisinger Domkirche vom
Ende des X.
Jahrhunderts, in: Quellen zur bayerischen und deutschen Geschichte Bd.
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politici (HB VI 1-139). Patres (HB VII 1-71), 1963, Die Handschriften der
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Baesecke, G.,
Die althochdeutschen Beichten, PBB 49 (1925), 268
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Die althochdeutschen Taufgelöbnisse, Forschungen und Fortschritte 21/23
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Das althochdeutsche Schrifttum von Reichenau, PBB 51 (1927), 206-222,
wiederabgedruckt in: Baesecke, G., Kleinere Schriften zur althochdeutschen
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Baesecke, G.,
Der deutsche Abrogans und die Herkunft des deutschen Schrifttums,
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Die deutschen Worte der germanischen Gesetze, PBB 59 (1935), 1
Baesecke, G.,
Einführung in das Althochdeutsche. Laut- und Flexionslehre, 1918
XXI Vorwort
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Das heutige Bild des Althochdeutschen, Zeitschrift für deutsche Bildung
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Hrabans Isidorglossierung, Walahfrid Strabus und das althochdeutsche
Schrifttum,
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Kleinere Schriften zur althochdeutschen Sprache und Literatur, hg. v.
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Baesecke, G.,
Die Sprache des Deutschen Abrogans, PBB 55 (1931), 321-376,
wiederabgedruckt in: Baesecke, G., Kleinere Schriften zur althochdeutschen
Sprache
und Literatur,
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Über die verschollene Hälfte von Pa, FS Strauch, P., Hermaea 31, 1932,
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Unerledigte Vorfragen der althochdeutschen Textkritik und
Literaturgeschichte, PBB 69 (1947), 361-409
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Der Vocabularius St. Galli in der angelsächsischen Mission, 1933
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Vor- und Frühgeschichte des deutschen Schrifttums, I. 1940, II.
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Die Bamberger Glossenhandschriften. Mit besonderer Berücksichtigung
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Froumund von Tegernsee und die Sprachschichten in Köln. Zur
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Ein Kölner Namensverzeichnis aus der Zeit Erzbischof Hermanns I.,
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Volkssprachig-lateinische Mischtexte uhd Textensemble in der
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Zum Problem der Sprache des Muspilli, Frühmittelalterliche Studien 5
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Zur Herkunft der Handschrift des »Capitulare de villis« und der
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Zur Stellung der Rheinlande in der althochdeutschen Literatur aufgrund
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Zehn St. Galler Kleinigkeiten. Glossen zu allem möglichen außerhalb
von Texten, in:
Sprache und Dichtung in Vorderösterreich. Elsass, Schweiz,
Schwaben,
Vorarlberg, Tirol, Ein Symposion für Achim Masser zum 65. Geburtstag
am 12. Mai
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Nachtrag zu »Deutsche Frühzeit«, in: Deutsche Wortgeschichte, hg. v.
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Gab es einen
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»Späher«?, FS
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Bibliotheca
Universitatis Leidensis. Codices manuscripti. IV. Codices Perizoniani, 1946
Bibliotheca
Universitatis Leidensis.
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Bibliothèque Nationale Catalogue Général des Manuscrits latins, publié sous la
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LXXVII Vorwort
Kurze
Einführung in das Althochdeutsche
A. Begriff
I. Das seit
Jakob Grimm (1819) so bezeichnete Althochdeutsche ist die älteste
Sprachstufe der
hochdeutschen Sprache. Diese unterscheidet sich vom durch
Rekonstruktion
gewonnenen Germanischen durch die vielleicht schon im 6. Jahrhundert
(Personenname
Idorih auf der Lanzenspitze von Wurmlingen) einsetzende, aber erst ab
750 besser
belegte althochdeutsche Lautverschiebung (Verschiebung von p, t, k zu
Doppelspiranten
[ff, zz, hh] oder Affrikaten [pf/ph, z/tz, altoberdeutsch kh/ch] und von
º, ª, × zu t,
b, g). Gegenüber dem um 1050 einsetzenden Mittelhochdeutschen, der
zweitältesten
Sprachstufe der hochdeutschen Sprache, ist das Althochdeutsche durch die
vollen Vokale
der nicht hochbetonten Silben gekennzeichnet, welche im
Mittelhochdeutschen zu e oder i abgeschwächt sind.
II. Räumlich
grenzt das Althochdeutsche im Norden an das Altsächsische, zu dem noch
Essen, Werden,
das Rothaargebirge und der Südharz gehören, und im Nordwesten an
das
Altniederfränkische. Über die Westgrenze des geschlossenen althochdeutschen
Sprachgebietes
läßt sich keine Sicherheit gewinnen. Im Osten (Thüringen) fehlen
umfangreiche
Zeugnisse. Im Süden weist noch das Langobardische althochdeutsche
Züge auf.
III. Das
Althochdeutsche ist - abgesehen von den bloßen Nennungen althochdeutscher
Personen- und
Ortsnamen - durch rund 1200 Handschriften, in denen sich
althochdeutsche
Elemente sehr verschiedenen Umfangs finden, überliefert. Die
wichtigsten
althochdeutschen Schreiborte sind dabei in Bayern Salzburg, Mondsee,
Passau,
Regensburg, Tegernsee und Freising, in Alemannien St. Gallen, Reichenau und
Murbach sowie
im fränkischen Gebiet Weißenburg, Lorsch, Mainz, Frankfurt,
Würzburg,
Bamberg, Fulda, Trier, Echternach und Aachen. Allerdings sind auch von
wichtigen
Sprachdenkmälern die Entstehungsorte wie die Schreiborte nicht bekannt und
müssen neben
den genannten Schreiborten weitere, nicht sicher identifizierbare,
angenommen
werden. Außerdem stammen die Schreiber eines Schreibortes vielfach aus
anderssprachigen Gebieten.
IV. Zur
Aufzeichnung wird das lateinische Alphabet verwendet. Die lateinischen
Schriftzeichen
ermöglichen nur eine unvollkommene Wiedergabe des althochdeutschen
Lautsystems.
Zusätzliche Zeichen wurden gleichwohl für das Althochdeutsche nicht
entwickelt.
LXXVIII Vorwort
V. Am nächsten
verwandt ist das Althochdeutsche mit dem Altniederdeutschen
(Altsächsischen
und Altniederfränkischen). Mit diesem und dem Altfriesischen sowie
dem
Altenglischen hat es viele Spracherscheinungen gemeinsam
(Konsonantengemination, Bildung der 2. Person Singular Praeteriti der starken
Verben,
Suffixe -heit,
-schaft, -tum, Wortschatzübereinstimmungen). Von daher ist es im
Gegensatz zum
ostgermanischen Gotischen und zum nordgermanischen Altnordischen
dem sog.
Westgermanischen zuzurechnen.
VI. In sich ist
das Althochdeutsche nicht einheitlich, so daß von althochdeutsch nur im
Sinne einer
wissenschaftlichen Zusammenfassung verschiedener Einzelmundarten
gesprochen
werden kann. Zu unterscheiden sind vor allem das altmitteldeutsche
Altfränkische
und die altoberdeutschen Mundarten des Altbayerischen und
Altalemannischen (sowie das Langobardische). Das Altfränkische läßt sich dabei
weiter
in
Altsüdrheinfränkisch (Weißenburg), Altrheinfränkisch (Mainz, Lorsch, Frankfurt,
Fulda [seit 10.
Jh.]), Altostfränkisch (Würzburg, Bamberg, Fulda [bis 10. Jh.]) und
Altmittelfränkisch (Trier, Echternach usw.) (sowie das altniederdeutsche
Altniederfränkische) gliedern.
VII. Für
wissenschaftliche Zwecke wird das Althochdeutsche in der Regel auf den
Lautstand des
in Fulda um 830 durch Übersetzung geschaffenen althochdeutschen
Tatian
normalisiert. Dadurch werden zwar sowohl räumliche Verschiedenheiten als auch
zeitliche
Entwicklungen künstlich vernachlässigt. Andererseits wird dadurch aber so viel
praktische
Übersicht gewonnen, daß deswegen auch hier normalisiert wird.
VIII. Ediert
sind die althochdeutschen Quellen in unterschiedlichen Publikationen.
Hervorzuheben
sind dabei vor allem die Ausgaben der umfassenderen Texte (Notker,
Otfrid, Tatian,
Isidor, Mondseer Fragmente, Murbacher Hymnen), der kleineren
Sprachdenkmäler
(Steinmeyer 1916, Köbler 1986), der Glossen (Steinmeyer/Sievers)
und zahlreicher
einzelner Glossennachträge (zusammenfassend Köbler 1993) sowie die
Ausgaben der
lateinischen frühmittelalterlichen Texte bzw. Handschriften.
B. Akzent
Der Akzent
liegt auf der jeweils ersten Silbe eines Wortes. Abgeleitete Wörter
behalten
grundsätzlich die Betonung des Grundwortes.
C. Vokale
I. Kurze Vokale
(a, e, i, o, u)
a ahd. akkar
Acker (germ. *akraz Acker)
a ahd. ahto
acht (germ. *ahtau acht)
a ahd. fater
Vater (germ. *fadar Vater)
e ahd. ezzan
essen (germ. *etan essen)
i ahd. fisk
Fisch (germ. *fiskaz Fisch)
LXXIX Vorwort
o ahd. gold
Gold (germ. *gulþam Gold)
o ahd. fol voll
(germ. *fullaz voll)
u ahd. sunu
Sohn (germ. *sunuz Sohn)
Durch Â, j der
folgenden unbetonten Silbe wird germanisch a häufig zu althochdeutsch
e (gast, gesti
Gast, Gäste) umgelautet. Germanisch u wird teilweise zu o.
II. Lange
Vokale (õ, Ð, Æ, æ, ð)
õ ahd. õhten
verfolgen (germ. *anhtjan verfolgen)
õ ahd. mõno
Mond (germ. *mÐnan [Ð1] Mond)
(Ð ahd. hier
hier [germ. *hÐr [e2] hier])
Æ and. swÆn
Schwein (germ. *swÆnam Schwein)
(æ ahd. bruoder
Bruder [germ. *bræþar Bruder])
ð ahd. hðs Haus
(germ. *hðsa- Haus)
Von den
germanischen Langvokalen werden Ð2 und æ diphthongiert; Ð1 wird zu õ.
III. Diphthonge (ei, ou, io, iu, ia, uo)
ei ahd. geiz
Geiß (germ. *gaitiz Geiß)
ei ahd. ein ein
(germ. *ainaz ein)
ei ahd. ei Ei
(germ. *ajjam Ei)
(Ð ahd. gÐr
Speer [germ. *gaizaz Spieß])
ou ahd. ouhhæn
vermehren (germ. *aukan mehren)
(æ ahd. ræt rot
[germ. *raudaz rot])
io ahd. diota
Volk (germ. *þeudæ Volk)
iu ahd. liut
Leute (germ. *leuda Leute)
Germanisch ai
wird zu Ð vor r, w und h sowie im Auslaut einiger Interjektionen.
Germanisch au
wird æ vor h und vor Dentalen. Germanisch eu wird zu io vor h oder
Dentalen,
altfränkisch auch in allen anderen Fällen.
IV.
Kombinatorischer Lautwandel
Durch Â, j der
folgenden Silbe wird vor allem a zu e umgelautet (gast, gesti, Gast,
Gäste).
Spätalthochdeutsch werden auch andere Vokale erkennbar umgelautet. Vor e,
a, o in
Folgesilben wird u vielfach zu o.
Die Vokale der
nicht starktonigen Silben werden vielfach zu e abgeschwächt oder
entfallen ganz.
Dabei sind die Vokale von Endsilben fester als die Vokale von
Mittelsilben.
Andererseits können aber auch Vokale in Wörter neu eingefügt werden
(sog.
Sproßvokale, z.B. ahd. beraht hell, germ. *berhtaz hell).
V. Ablaut
Das
Althochdeutsche kennt wie das Germanische den aus der indogermanischen
Grundsprache
ererbten Ablaut. Es benutzt ihn vor allem dazu, verschiedene
Bedeutungen zum
Ausdruck zu bringen. Dabei werden insbesondere sechs (sieben)
Ablautreihen
unterschieden, welche zur Unterscheidung der verschiedenen Formen des
LXXX Vorwort
sog. starken
Verbs dienen, aber auch sonst erscheinen. Die Ablautreihen des starken
Verbs umfassen
zwei bis vier Ablautstufen (Präsens [Infinitiv]); 1., 3. P. Sg. Ind. Prät.;
2. P. Sg. Ind.,
Pl. Ind. Prät., Opt.; Part. Prät.).
Æ : ei, i : i
ahd. stÆgan steigen (germ. *steigan)
io, iu : ou, u,
æ : o ahd. biotan bieten (germ. *beudan)
e, i : a, u :
u, o ahd. werdan werden (germ. *werþan)
e, i : a, õ : o
ahd. beran tragen (germ. *beran)
e, i : a, õ : e
ahd. geban geben (germ. *geban)
a : uo : a ahd.
faran fahren (germ. *faran)
a, õ, ei : ie
ahd. lõzan lassen (germ. *lÐtan)
ou, æ, uo : ie
ahd. loufan laufen (germ. *hlaupan)
Im einzelnen
entstehen im Althochdeutschen infolge der althochdeutschen
Vokalwandlungen
zahlreiche Untergruppen.
D. Konsonanten
Das
Althochdeutsche unterscheidet sich von allen übrigen vom Germanischen
abstammenden
(d.h. germanistischen) Sprachen durch die sog. althochdeutsche
Lautverschiebung von t, p, k (zu tz bzw. zz, pf bzw. ff und [altoberdeutsch] kh
bzw.
hh), die
zeitlich-räumlich verschieden schnell und weit verläuft.
I. Germanische
stimmlose Reibelaute (f, þ, h, s)
germ. f ahd.
fater Vater (germ. *fadar)
germ. þ ahd.
drÆ drei (germ. *þreijiz)
germ. h ahd.
hunt Hund (germ. *hundaz)
germ. h ahd.
hefen heben (germ. *hafjan)
germ. h ahd.
wer wer (germ. *hwÐ)
germ. s s. IV
Das inlautende
germanische f wird vielfach althochdeutsch u geschrieben. Das
germanische h
wird im Wort- und Silbenanlaut vom Reibelaut zum Hauchlaut. Vor
Konsonanten
geht h im Anlaut verloren. Das germanische þ wird zeitlich am frühesten
im
Altbayerischen (6. Jh.?) und am spätesten im Altmittelfränkischen (10./11. Jh.)
zu d.
II. Germanische
stimmhafte Reiblaute (ª, º, ×, z)
germ. ª, b ahd.
beran (aobd. p) tragen (germ. *ªeran)
germ. ª, b ahd.
geban geben (germ. *×eban)
germ. º, d ahd.
tura (amfrk./arhfrk. d) Türe (germ. *ºura)
germ ×, g ahd.
gast (aobd. k) Gast (germ. *×astiz)
germ. ×, g ahd.
singan singen (germ. *sen×wan)
germ ×, g ahd.
tragan tragen (germ. *dra×an)
germ. z s. IV
III.
Germanische stimmlose Verschlußlaute (p, t, k)
LXXXI Vorwort
germ. p ahd.
pfending Pfennig (germ. *reipan)
germ. t ahd.
zðn Zaun (germ. *tðna-)
germ. k ahd.
kiosan (aobd. ch-) versuchen (germ. *keusan)
germ. k ahd.
ouhhæn vermehren (germ. *aukan)
germ. kw ahd.
kweman kommen (germ. *kweman)
Nicht
verschoben wird p in der Verbindung mit s (sp). Anlautendes germanisches p,
inlautendes pp
und mp bleiben altmittel- und altrheinfränkisch unverschoben. Das
verschobene p
wird als pf (oder ph) geschrieben.
Ein k wird
allgemein in der Verbindung s-k nicht verschoben (- doch wird noch im
Althochdeutschen lautlich s-k zum palatalen stimmlosen Spiranten sch -). Im
Anlaut
sowie inlautend
bei Gemination und nach l, r, n wird es im Altfränkischen nicht
verschoben. K
wird vielfach als c geschrieben, hh vielfach als ch.
Germanisch t
wird zu z (tz), (zz) verschoben (im Wortanlaut und im Wortinlaut nach
Konsonant zur
dentalen Affrikata z (tz), zz, sonst zum dentalen Spiranten (zz).
Ausgenommen von
dieser Verschiebung werden tr, st, ht und ft.
IV.
Germanischer stimmloser Reibelaut s
ahd. sibun
sieben (germ. *sebun
ahd. ast Ast
(germ. *astaz)
Das germanische
stimmhafte s (z) wird zu r und schwindet im Auslaut überhaupt.
V. Sonorlaute
m ahd. muoter
Mutter (germ. *mæder)
n ahd. niuwi
neu (germ.
*neujaz)
r
ahd. ræt rot (germ. *raudaz)
l ahd. lahs
Lachs (germ. *lahsaz)
Das auslautende
m geht im 9. Jahrhundert in n über. Im Inlaut ist die Zahl der
althochdeutschen r durch den Übergang des germanischen (stimmhaften) z in r
stark
vermehrt (z.B.
germ. maizan mehr, ahd. mÐro mehr).
VI. Halbvokale
1. Germanisch w
bleibt im Althochdeutschen weitgehend erhalten.
w ahd. waltan
walten (germ. *waldan)
Es wird im
Althochdeutschen als u oder uu geschrieben. Im Anlaut ist es vor allen
Vokalen
erhalten, vor r und l aber verloren. Inlautendes w wird am Auslaut eines
Wortes oder
einer Silbe zu o (z.B. ahd. garo bereit, garawen bereiten).
2. Germanisch j
bleibt im Althochdeutschen im Anlaut erhalten.
j ahd. jõr Jahr
(germ. *jÐram)
Es wird im
Althochdeutschen als i geschrieben, also vom Vokal i graphisch nicht
geschieden. Im
Inlaut ist es nach Vokalen nicht selten (z.B. fÆjant Feind). Nach
Konsonanten
verliert es sich im 9. Jahrhundert weitgehend (anders z.B. nach kurzem
Vokal und r wie
z.B. nerien).
LXXXII Vorwort
VII.
Kombinatorischer Lautwandel
J, w, r, l, n
(und m) rufen schon im Westgermanischen Verdoppelung (Gemination)
eines
unmittelbar vorangehenden Konsonanten hervor:
z.B. ahd dritto
dritte (germ.
*þridjan), ahd. willo Wille (germ.
*wiljan).
Darüber hinaus
entstehen durch die althochdeutsche Lautverschiebung aus einfachen
inlautenden t,
p, k die Doppelspiranten zz, ff, hh (z.B. ahd. ezzan essen, ahd. offan
offen, ahd.
mahhæn machen), welche nach kurzem Vokal bestehen bleiben, nach langem
Vokal später
aber vielfach wieder vereinfacht werden (z.B. ahd. slõfan schlafen).
Verdoppelung
eines Konsonanten kann außerdem durch Assimilation an l, r, m, n
entstehen.
Sog.
grammatischer Wechsel (germanisch stimmloser Reibelaute in stimmhafter
Umgebung zu
stimmhaften Reibelauten) findet sich im Althochdeutschen zwischen d
und t, f und b,
h und g sowie s und r (z.B. ahd. kiosan wählen, aber gikoran gewählt,
snÆdan
schneiden, aber gisnitan geschnitten).
Hieraus ergibt
sich insgesamt folgende Gegenüberstellung:
Germanisch
Althochdeutsch Althochdeutsch Germanisch
a, õ a, õ a, õ
a, õ, Ð
ai
ei, Ð
au
ou, æ
ª b b
ª
c s. k
ch s. hh
d t (,d) d þ
e,
Ð e, ie, õ e, Ð e, Ð, ai
eu
io, iu ei ai
f
f f f
ff
p
g
g g g
h
h h h
hr r
hw w hw kw
hh k
i,
Æ i, Æ i, Æ i, Æ
ie
e
io
eu
iu eu
j j j j
LXXXIII Vorwort
k k, kh, hh
(,ch) k (,c) k
kh k
kw kw, hw kw kw
l
l l l
m
m m m
n
n n n
æ
o, æ o, æ æ, au, u, (w)
ou au
p pf,
ff (,p) (p) p
pf
p
ph
s. pf
r
r r r, hr, z
s
s s s
t
z (=tz), zz t d
þ
d
(tz [=z] t)
u,
ð u, o, ð u, ð u, ð
w
w (,o) w w, hw
z
r z (=tz) t
zz t
E. Substantiv
Das
Althochdeutsche besitzt beim Substantiv die drei Geschlechter (Genera)
Maskulinum,
Femininum und Neutrum, die zwei Numeri Singular und Plural und die
vier (fünf)
Fälle (Kasus) Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ (sowie im Singular
vereinzelt den
Instrumental). Es unterscheidet vier vokalische (starke) und drei (vier)
konsonantische
(schwache) Deklinationsklassen.
Beim Substantiv
setzt sich allmählich der Gebrauch des Artikels durch. Neben die
reinen
Kasusformen treten zunehmend präpositionale Fügungen.
I. a-Stämme
(männlich, sächlich)
1. reine
a-Stämme (tag Tag, wort Wort)
S.N.M. tag
(germ. *dagaz)
S.G.M. tages,
-as (germ. *dagez[o])
S.D.M. tage, -a
(germ. *dagai)
S.A.M. tag
(germ. *dagan)
S.I.M. tagu, -o
(germ. *dagu [?])
P.N.M. taga, -õ
(germ.
*dagoz)
P.G.M. tago (germ.
*dagen, -on)
LXXXIV Vorwort
P.D.M. tagum,
-om, -un, -on (germ. *dagamiz)
P.A.M. taga (germ.
*daganz)
S.N.N. wort
S.G.N. wortes,
-as
S.D.N. worte,
-a
S.A.N. wort
S.I.N. wortu,
-o
P.N.N. wort
P.G.N. worto
P.D.N. wortum, -om, -un, -on
P.A.N. wort
2. ja-Stämme
(hirti Hirt, kunni Geschlecht)
S.N.M. hirti
S.G.M. hirtes
S.D.M. hirtie, hirte
S.A.M. hirti
S.I.M. hirtiu, hirtu
P.N.M. hirte, hirta
P.G.M. hirteo, hirto
P.D.M. hirtum, -un, -on, -im, -in
P.A.M. hirte, hirta
S.N.N. kunni
S.G.N. kunnes
S.D.N. kunnie,
kunne
S.A.N. kunni
S.I.N. kunniu,
-u, -o
P.N.N. kunni
P.G.N. kunneo,
-io, -o
P.D.N. kunnim,
-in, -um, -un, -on
3. wa-Stämme
(selten) (lÐo Grab, horo Schmutz)
S.N.M. lÐo, lÐ
S.G.M. lÐwes
S.D.M. lÐwe
S.A.M. lÐo
P.N.M. lÐwa, -õ
P.G.M. lÐwo
P.D.M. lÐwum, -un, -on
P.A.M. lÐwa, -õ
S.N.N. horo
LXXXV Vorwort
S.G.N. horwes,
horawes
S.D.N. horwe,
horawe
S.A.N. horo
P.N.N. horo
P.G.N. horwo,
horawo
P.D.N. horwum,
horawum, -un, -on
P.A.N. horo
II. æ-Stämme
(weiblich)
1. reine
æ-Stämme (geba Gabe)
S.N.F. geba
(germ. *gebæ)
S.G.F. geba,
-u, -o (germ. *gebæz)
S.D.F. gebu, -o
(germ. *gebai, -æ, -oi)
S.A.F. geba
(germ. *gebæm, -æn)
P.N.F. gebõ
(germ. *gebæz)
P.G.F. gebæno
(germ.
*gebæ[no], -on)
P.D.F. gebæm, -æn, -on (germ. *gebæmiz)
P.A.F. gebõ (germ.
*gebæz)
2. jæ-Stämme
(kuningin Königin)
S.N.F. kuningin
S.G.F.
kuninginna
S.D.F.
kuninginnu
S.A.F
kuninginna (,-in)
P.N.F.
kuninginnõ
P.G.F.
kuninginnæno
P.D.F.
kuninginnæm, -æn
P.A.F.
kuninginnõ
3. wæ-Stämme
Sie sind von
den reinen æ-Stämmen nicht unterschieden.
III. i-Stämme
(männlich: gast Gast, weiblich: anst Gunst)
S.N.M. gast
(germ. *gastiz)
S.G.M. gastes
(germ. *gastiso)
S.D.M. gaste
(germ. *gastai)
S.A.M. gaste
(germ. *gastin)
S.I.M. gastiu,
gestiu (germ. *gasti)
P.N.M. gesti
(germ.
*gastijiz)
P.G.M. gesteo, -io, -o (germ.
*gastion)
P.D.M. gestim,
-in, -en (germ. *gastimiz)
P.A.M. gesti
(germ. *gastinz)
S.N.F. anst
LXXXVI Vorwort
S.G.F. ensti
S.D.F. ensti
S.A.F. anst
S.I.F.
P.N.F. ensti
P.G.F. ensteo, -io, -o
P.D.F. enstim,
-in, -en
P.A.F. ensti
Die
kurzsilbigen i-Stämme werden grundsätzlich wie die langsilbigen i-Stämme
dekliniert.
IV. u-Stämme
(sunu Sohn, situ Sitte, fihu Vieh)
(ursprünglich
männlich, weiblich, sächlich, nur in Resten erhalten)
S.N.F. situ (germ. *sunuz)
S.G.F. sites (germ. *sunauz)
S.D.F. site (germ. *sunawi)
S.A.F. situ (germ. *sunun)
S.I.F. sitiu, -u
P.N.F. siti (germ.
*suniw[e]z)
P.G.F. siteo, -o (germ.
*suniwe-)
P.D.F. sitim, -in (germ. *sunumiz)
P.A.F. siti (germ. *sununz)
S.N.N. fihu
S.G.N. fihes
S.D.N. fihe
S.A.N. fihu
P.N.N. fihiu?, fiho?
P.G.N. fiho?
P.D.N. fihen?
P.A.N. fiho?
V.
s-Stämme
Die s-Stämme
haben ihre alte Flexion aufgegeben und sind zu den a- oder u- Stämmen
übergetreten.
VI. r-Stämme
Hierher gehören
fater Vater, bruoder Bruder, muoter Mutter, tohter Tochter, swester
Schwester, doch
sind tohter, swester teilweise in die æ-Deklination und ist fater
teilweise in
die a-Deklination übergetreten.
S.N.M. bruoder
(germ. *bræþar)
S.G.M. bruoder
(germ. *bræþriz)
S.D.M. bruoder
(germ. *bræþri)
LXXXVII Vorwort
S.A.M. bruoder
(germ. *bræþarun)
P.N.M. bruoder
P.G.M. bruodero
P.D.M.
bruoderum, -un, -on
P.A.M. bruoder
VII. nt-Stämme
(nur friunt Freund, fÆjant Feind)
S.N.M. friunt (germ. *frijonds)
S.G.M. friuntes
S.D.M. friunte (germ. *frijondi)
S.A.M. friunt (germ. *frijondun)
P.N.M. friunt, -a, -õ
P.G.M. friunto
P.D.M. friuntum, -un, -on
P.A.M. friunt, -a, -õ
VIII. n-Stämme
(männlich: hano Hahn, weiblich: zunga Zunge, sächlich: herza Herz)
S.N.M. hano (germ.
*hanan)
S.G.M. hanen
(germ. *hananiz)
S.D.M. hanen,
-in (germ. *hanani)
S.A.M. hanon,
-un (germ. *hananum)
P.N.M. hanon,
-un (germ. *hananiz)
P.G.M. hanæno
(germ. *hananan)
P.D.M. hanæn
(germ. *hanonmiz)
P.A.M. hanon, -un (germ. *hananuns)
S.N.F. zunga
S.G.F. zungðn
S.D.F. zungðn
S.A.F. zungðn
P.N.F. zungðn
P.G.F. zungæno
P.D.F. zungæm, -æn
P.A.F. zungðn
S.N.N. herza
S.G.N. herzen,
-in
S.D.N. herzen,
-in
S.A.N. herza
P.N.N. herzun, -on
P.G.N. herzæno
P.D.N. herzæm
P.A.N. herzun, -on
LXXXVIII
Vorwort
Hierher gehören
auch die femininen Abstrakta auf ahd. -Æ wie z.B. hæhÆ Höhe.
IX.
Wurzelnomina (athematische Deklinationsklasse) (man Mann, naht Nacht)
S.N.M. mõn
S.N.F. naht
S.G.M. man,
mannes S.G.F. naht
S.D.M. man,
manne S.D.F. naht
S.A.M. man
S.A.F. naht
P.N.M. man
P.N.F. naht
P.G.M. manno
P.G.F. nahto
P.D.M. mannum,
-un, -om, -on P.D.F. nahtum
P.A.M. man
P.A.F. naht
Die meisten
Wurzelnomina sind in die i-Deklination übergetreten.
F. Pronomen
I.
Personalpronomen (ih, wir, dÈ, ir, er, siu, iz, sie)
S.N.1.P. ih (germ. *ek, *ik)
S.G.1.P. mÆn
S.D.1.P. mir
(germ. *mez, *miz)
S.A.1.P. mih
(germ. *mek)
D.N.1.P. unker
(germ. *unkero)
P.N.1.P. wir
(germ. *wiz)
P.G.1.P. unsÐr
P.D.1.P. uns
(germ. *uns)
P.A.1.P. unsih
(germ. *uns)
S.N.2.P. dÈ
(germ. *þu)
S.G.2.P. dÆn
S.D.2.P. dir
(germ. *þez)
S.A.2.P. dih
(germ.
*þek)
P.N.2.P. ir (germ. *iuz, *iiz)
P.G.2.P. iuwÐr
P.D.2.P. iu (germ. *izwiz)
P.A.2.P. iuwih (germ. *izwiz)
S.N.3.P.M. er
(germ. *iz, *ez)
S.G.3.P. (sÆn)
S.D.3.P. imu, -o
S.A.3.P. inan, in
S.N.3.P.F. siu, sÆ, si (germ.
*si-)
ira, -o, -u
iru, -o
sia, sie
LXXXIX Vorwort
siu
iro
S.N.3.P.N. iz
(germ. *ita)
es, is
imu, -o
iz
P.N.3.P.M. sie
P.G.3.P.
P.D.3.P.
P.A.3.P. sie
P.N.3.P.F. sio
P.N.3.P.N. siu
P.G.3.P.N. iro
P.D.3.P.N. im,
in
P.A.3.P.N. siu
Die Formen des
geschlechtigen Personalpronomens der 3. Person gehören zu den zwei
Stämmen i- und
si-.
II.
Reflexivpronomen (sih)
S.N.
S.G. sÆn (,ira)
S.D. (imu)
(,iru) (germ. *sez)
S.A. sih (germ.
*sek)
P.N.
P.G. (iro)
P.D. (im)
P.A. sih
III.
Possessivpronomen (mÆn mein, dÆn dein, sÆn sein, unser unsÐr, iuwÐr euer)
Das
Possessivpronomen ist als Adjektiv zum Personalpronomen überwiegend aus
dessen Genitiv
entstanden. In der dritten Person ist es vom Reflexivstamm genommen.
Für das
Femininum Singular und den Plural fehlt es und wird durch die Genitive des
Personalpronomens ersetzt (ira, iro). Das Possessivpronomen entspricht in seiner
Flexion dem
starken Adjektiv.
S.1.P.N. mÆnÐr
mÆniu mÆnaz (germ. *mÆnaz)
S.2.P.N. dÆnÐr
dÆniu dÆnaz (germ. *þÆnaz)
S.3.P.N. sÆnÐr
sÆniu sÆnaz (germ. *sÆnaz)
P.1.P.N.
unser(Ðr) unseriu unseraz (germ. *unsera)
P.2.P.N.
iuwer(Ðr) iuweriu iuweraz (germ. *izwera)
IV.
Demonstrativpronomen
1. der, diu,
daz (der, die, das)
XC Vorwort
S.N.M. der diu
daz
S.G.M. des dera, -u, -o des
S.D.M. demu, -o deru, -o demu, -o
S.A.M. den dea, dia daz
S.I.M. diu diu
P.N.M. de, dea, die deo, dio diu (,dei)
P.G.M. dero dero dero
P.D.M. dÐm, dÐn dÐm, dÐn dÐm, dÐn
P.A.M. de, dea, die deo, dio diu (,dei)
Das einfache
Demonstrativpronomen wird auch als bestimmter Artikel und als
Relativpronomen
gebraucht.
2. dese, desÐr
(dieser)
S.N.M. dese, desÐr desiu, disiu diz
S.G.M. desses desera desses
S.D.M. desemu, -o deseru desemu, -o
S.A.M. desan desa diz
S.I.M. desiu, desu, disiu, disu
P.N.M. dese deso desiu, disiu
P.G.M. desero desero
P.D.M. desÐm, -Ðn desÐm, -Ðn
P.A.M. dese deso desiu, disiu
3. jenÐr
(jener)
Das Pronomen
jenÐr wird als starkes Adjektiv flektiert.
4. selb-
(selb-)
Das Pronomen
selb- wird als starkes und schwaches Adjektiv flektiert.
S.N.st. selber
selbiu selbaz
S.N.sw. selbo
selba selbo
V.
Relativpronomen
Als
Relativpronomen wird das Demonstrativpronomen der, diu, daz verwandt.
VI.
Interrogativpronomen
1. wer (wer)
S.N.M. wer wer
waz
S.G.M. wes wes
wes
S.D.M. wemu, -o wemu, -o wemu, -o
S.A.M. wenan,
wen wenan, wen waz
S.I.M wiu
Das Pronomen
wer bildet nur den Singular und wird nur substantivisch gebraucht.
2. wedar
(welcher von beiden)
Das Pronomen
wedar wird als starkes Adjektiv flektiert.
XCI Vorwort
3. welÆh
(welch)
Das Pronomen
welÆh wird als starkes Adjektiv flektiert.
4. sæ wer sæ,
sæ wÐlÆh sæ, sæ wedar sæ (wer immer, welcher immer)
Sie drücken das
verallgemeinernde Relativ aus, wobei das zweite sæ bald entfallen
kann.
VII.
Indefinitpronomen
»Irgendeiner«
wird vor allem ausgedrückt durch sum, sumilÆh, ein, einÆg, wer, welÆh,
eddeswer,
eddeswelÆh, eddeslÆh, dehein, deheinÆg.
»Anderer« wird
durch ander wiedergegeben.
Für »keiner«
wird nihein, nohein verwandt.
Vereinzelt
erscheint man in der Bedeutung »man«.
»Jemand« wird
durch ioman, »niemand« durch nioman, »etwas« durch wiht, io-wiht,
»nichts« durch
niowiht zum Ausdruck gebracht.
»Jeder« wird
durch gilÆh, welÆh, giwelÆh, iogiwelÆh oder al ausgedrückt.
G. Adjektiv
Das Adjektiv
hat drei Geschlechter (männlich, weiblich, sächlich) und kann stark oder
schwach gebeugt
werden, wobei die starke Beugung, welche in allen drei Geschlechtern
auch eine
unflektierte Grundform aufweist, mit der Beugung der (vokalischen)
Substantive
(der maskulinen und neutralen a-Stämme und der femininen æ-Stämme)
und in einigen
Fällen der Pronomina übereinstimmt, die schwache Beugung mit der
konsonantischen
Beugung der n-Stämme. Die schwache Form wird vor allem nach dem
bestimmten
Artikel gebraucht. Komparative und Superlative flektieren nur schwach.
Das Partizip
der Vergangenheit flektiert als regelmäßiges Adjektiv stark und schwach,
das Partizip
der Gegenwart wie ein regelmäßiges Adjektiv mit starker und schwacher
Flexion.
I. Starke
Adjektivformen
1. a-, æ-Stämme
(blint bzw. blintÐr, blintiu, blintaz, blind bzw. blinder, blinde, blindes)
S.N. blint, -Ðr
blint, -iu blint, -az
S.G. blintes blintera blintes
S.D. blintemu, -o blinteru, -o blintemu, -o
S.A. blintan blinta blint, -az
S.I. blintu, -o
P.N. blinte,
blint blinto blintiu, blint
P.G. blintero
blintero blintero
P.D. blintÐm,
Ðn blintÐm, -Ðn blintÐm, -Ðn
P.A. blint
blinto blintiu
XCII Vorwort
Das starke
Adjektiv besitzt im Nominativ Singular aller Geschlechter und im Akkusativ
Singular
Neutrum eine flektierte (z.B. blintÐr) und eine unflektierte Form (z.B. blint),
wobei die
unflektierte Form im prädikativen Gebrauch bevorzugt wird.
2. ja-,
jæ-Stämme
Die ja-,
jæ-Stämme, zu denen vor allem auch das Partizip Präsens zählt, unterscheiden
sich von den
a-, æ-Stämmen nur in der unflektierten Form, in der sie nicht auf
Konsonant,
sondern auf -i enden.
S.N. mõri mõri
mõri
3. wa-,
wæ-Stämme (selten)
Die wa-,
wæ-Stämme gehen in der unflektierten Form auf -o aus.
S.N. garo garo garo
4.
i- und u-Stämme
Die i- und
u-Stämme sind in die ja-, jæ-Stämme bzw. die a-, æ-Stämme übergetreten.
II. Schwache
Adjektivformen (blinto, blinta, blinta blinde)
S.N. blinto
blinta blinta
S.G. blinten,
-in blintðn blinten, -in
S.D. blinten,
-in blintðn blinten, -in
S.A. blinton,
-un blintðn blinta
P.N. blinton,
-un blintðn blintun, -on
P.G. blintæno
blintæno blintæno
P.D. blintæm,
-æn, blintæm, -æn blintæm, æn
P.A.
blinton, -un blintðn blintun, -on
III. Steigerung
1. Komparativ
Der Komparativ
wird durch die Suffixe -ir- und -ær- gebildet, wobei die mehrsilbigen,
mit
Ableitungssuffixen gebildeten oder zusammengesetzten Adjektive fast stets -ær-,
die
einfachen
Adjektive der ja-Stämme fast ausschließlich -ir- verwenden.
2. Superlativ
Der Superlativ
wird durch die Suffixe -ist- und -æst- gebildet, die in ihrer Verteilung
den
Komparativsuffixen -ir- und -ær- entsprechen.
3.
Unregelmäßige Steigerung (guot gut, ubil übel, mihhil groß, luzzil klein)
guot bezziro
bezzisto
ubil wirsiro
wirsisto
mihhil mÐro, mÐriro meisto
luzzil minniro minnisto
Verschiedenen
Steigerungsformen liegt kein Adjektiv als Positiv zugrunde, sondern ein
Adverb oder
eine Präposition:
z.B. Ðristo
erste, hintaræsto hinterste, ðzaræsto äußerste.
XCIII Vorwort
H. Adverb
Das
(abgeleitete) Adverb wird regelmäßig vom Adjektiv durch Anhängung von o
gebildet (z.B.
snell-o schnell, ubil-o übel, gilÆhh-o gleich, rein-o rein, gar-o bereit,
samft-o sanft).
Der Komparativ hierzu endet stets auf -ær, der Superlativ auf -ist oder
-æst.
Weiter können
Adverbien auch durch Kasusformen (der Adjektive) gebildet werden
(z.B. gõh-ðn
eilig, al vollständig, emmiz-ig-Ðn unaufhörlich).
Daneben finden
sich zahlreiche ursprüngliche Adverben (z.B. dÀr da, wõr wo, wara
wohin, warumbe
warum, wio wie, hiutu heute, hier hier).
I. Numerale
(Zahlwort)
I. Grundzahlen
ein (M.F.N.)
eins (germ. *ainaz)
zwÐne (M.),
zwõ, -o (F.) zwei (N.) zwei (germ *twa[i])
drÆ (M.), drÆo
(F.), driu (N.) drei (germ. *þrejiz)
Die Zahlen von
eins bis drei unterscheiden drei Geschlechter und sind deklinabel.
fior, feor vier
(germ. *fedwær[e]z)
fimf fünf
(germ. *femft[e])
sehs sechs
(germ. *sehs)
sibun sieben
(germ. *sebun)
ahto acht
(germ. *ahtau)
niun neun
(germ. *newun)
zehan zehn
(germ. *tehun)
einlif elf
(germ. *ainalibi)
zwelif zwölf
(germ. *twalibi)
Die Zahlen vier
bis zwölf sind unflektiert, wenn sie adjektivisch vor einem Substantiv
stehen, - wie
ein i-Stamm - flektiert dagegen, wenn sie adjektivisch nach einem
Substantiv
stehen oder als Substantiv verwendet werden.
Die Zahlen
dreizehn bis neunzehn werden als Zusammensetzungen der Einerzahlen mit
zehan gebildet
(z.B. drÆ-zehan) und wie zehan behandelt. Die Zehnerzahlen von 20 bis
60 werden durch
Verbindung der Einerzahlen mit -zug gebildet (z.B. zwein-zug, drÆzug,
fior-zug), die
Zehnerzahlen von 70 bis 100 zunächst mit -zo, später auch mit -zug.
Sie sind nicht
deklinabel und werden meist substantivisch gebraucht. Hundert heißt
zehan-zug, doch
wird für die mehrfachen Hunderte meist hunt »hundert« verwandt
(z.B. fimf
hunt). Tausend wird durch das meist feminin gebrauchte Substantiv dðs-unt
wiedergegeben.
II.
Ordnungszahlen
Ðristo, furisto
erste (germ. *airista, *furista)
ander zweite
(germ. *anþaraz)
XCIV Vorwort
dritto dritte
(germ. *þridjan)
fiordo vierte
(germ. *... þan)
fimfto fünfte .
sehsto sechste
.
sibunto siebte .
ahtodo achte .
niunto neunte .
zehanto zehnte
.
einlifto elfte
.
zwelifto
zwölfte .
Das als
Ordnungszahl verwendete ander ist Pronominaladjektiv und wird nur stark
flektiert.
Dritto bis zwelifto werden von den Stämmen der Grundzahlen (und dem
Suffix -to/-do,
germ. *-þan) gebildet und nur schwach flektiert. Die Ordnungszahlen
von 13 bis 19
sind (bis zu Notker) aus der Ordnungszahl der einstelligen Zahlen und
zehanto
gebildet (z.B. drittozehanto), wobei nur der zweite Teil flektiert wird. Von
zwanzig an
werden die Ordnungszahlen als Superlative auf -æsto der betreffenden
Gundzahlen
gebildet (z.B. zwein-zug-æsto zwanzigste).
III. Andere
Zahlarten
Distributivzahlen sind selten (z.B. zwiski zu zweit). Multiplikative
Zahladjektive werden
durch -falt
(z.B. fior-falt vierfach) gebildet, Zahladverbia durch -stunt (z.B. fior-stunt
viermal). Von
einfachen Bruchzahlen wird nur halb öfter gebraucht.
K.
Präpositionen und Präfixe
Die
Präpositionen haben sich teils aus Adverbien, teils aus nominalen Bildungen in
den
ältesten Zeiten
der aus dem Indogermanischen entstandenen Einzelsprachen entwickelt.
Wichtige
Präpositionen sind aba ab, after nach, ana an, õnu ohne, az bei, bÆ bei, duruh
durch, Ðr vor,
fona von, fora vor, furi vor, gagan gegen, hintar hinter, in in, innan in,
ingagan
entgegen, ir aus, mit mit, nõh nahe, nidar unter, oba auf, sÆd seit, ubar über,
ðfan auf, untar
unter, unz bis, ðz aus, ðzan aus, ðzar aus, widar wider, zi zu, zuo zu.
Die meisten
Präpositionen können als Präfixe fungieren. Nicht zugleich als
Präpositionen,
aber als Präfixe sind außerdem bezeugt z.B. fir-, folla-, fram-, gi-, hera-,
hina-, int-,
missi-, saman-, un-, ur-, zisamane-.
L.
Konjunktionen
Wichtige
Konjunktionen sind afur aber, alde oder, bidiu deswegen, danõn deshalb,
danne dann, dar
als, daz daß, dæ da, doh gleichwohl, Ðr ehe, ibu wenn, inti und, inu
denn, joh auch,
ni und nicht, nibu (so) daß (nicht), nio und nicht, noh und nicht, nu
also, odæ oder,
sama wie, samasæ wie, sæ so, sæsama so, sæsæ so, unz bis, ðz sondern,
wanne als,
wanta da, wio wie.
XCV Vorwort
M. Verb
Das Verb hat
als selbständig entwickeltes Verbalgeschlecht (Genus) das Aktiv,
während das
voralthochdeutsche Mediopassiv verschwunden ist. Das Passiv wird durch
das Partizipium
Praeteriti und wesan oder werdan umschrieben (z.B. ist ginoman, wirdit
ginoman bzw.
was ginoman, ward ginoman).
Zeiten sind das
Praesens zur Bezeichnung unbestimmter, allgemeiner, sich
wiederholender
oder möglicher sowie bestimmter relativ gegenwärtiger oder zukünftiger
Tatsachen sowie
das Praeteritum als allgemeine Vergangenheit. Für die Zukunft fehlt
eine eigene
Form und tritt auch eine Umschreibung mit skulan (sollen) oder wellen
(wollen) selten
auf. Dagegen findet sich für das reine Perfekt - und seltener auch für
das
Plusquamperfekt - schon eine Umschreibung mit habÐn, eigan oder wesan und
Partizipium
Praeteriti (z.B. intfangan eigut ihr habt empfangen).
Aussageweisen
sind Indikativ, Optativ (Konjunktiv) und im Praesens Imperativ. Als
Numeri
erscheinen Singular und Plural mit je 3 Personen.
Außerdem
gehören als Verbalnomina der Infinitiv des Praesens, das Partizipium
Praesentis und
das Partizipium Praeteriti zum Verb.
Die Verben
flektieren fast ausschließlich thematisch, d.h. sie gestalten ihren Indikativ
Präsens mit
einem Thema- oder Bindevokal. Die starken Verben bilden den Stamm
ihres
Praeteritums durch Ablaut oder Reduplikation (Partizipium Praeteriti auf -n),
die
schwachen
Verben durch ein dentales Element -t (Partizipium Praeteriti auf -ta-, -tæ-).
Die
Praeteritopraesentia fügen zu einem alten starken Praeteritumstamm ein neues
schwaches
Praeteritum.
I. Starke
Verben
Die starken
Verben lassen sich einteilen in die ablautenden Verben und die (ehemals)
reduplizierenden Verben. Die ablautenden Verben zerfallen in sechs Klassen). Die
ehemals
reduplizierenden Verben haben im Althochdeutschen die ursprüngliche
Reduplikation
durch einen Wechsel des Stammvokals (jüngeren Ablaut) ersetzt.
Infinitiv
ziohan (II) neman (II) faran (VI) ratan (red.)
(ziehen)
(nehmen) (fahren) (raten)
Praesens Aktiv
Indikativ
S.1.P. ziuhu
nimu faru rõtu
S.2.P. ziuhis,
-ist nimis, -ist feris, -ist rõtis, -ist
S.3.P. ziuhit
nimit ferit rõtit
P.1.P.
ziohemÐs, -Ðn nememÐs, -Ðn farÐmes, -Ðn rõtÐmes, -Ðn
P.2.P. ziohet nemet faret rõtet
P.3.P. ziohent nement farent rõtent
Praesens Aktiv
Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. ziohe
neme fare rõte
XCVI Vorwort
S.2.P. ziohÐs,
-Ðst nemÐs, -Ðst farÐs, -Ðst rõtÐs, -Ðst
S.3.P. ziohe neme fare rõte
P.1.P. ziohemÐs, -Ðn nememÐs, -Ðn faremÐs, -Ðn rõtemÐs, -Ðn
P.2.P. ziohÐt nemÐt farÐt rõtÐt
P.3.P. ziohÐn nemÐn farÐn rõtÐn
Imperativ
S.2.P. ziuh nim far rõt
P.1.P. ziohemÐs, -Ðn nememÐs, -Ðn faremÐs, -Ðn rõtemÐs, -Ðn
P.2.P. ziohet nemet faret rõtet
Partizipium Praesentis
ziohanti nemanti faranti rõtanti
Praeteritum Aktiv Indikativ
S.1.P. zæh nam fuar riet
S.2.P. zugi nõmi fuari rieti
S.3.P. zæh nam
fuar riet
P.1.P. zugumÐs, -un nõmumÐs, -un fuarumÐs, -un rietumÐs, -un
P.2.P. zugut
nõmut fuarut rietut
P.3.P. zugun
nõmun fuarun rietun
Praeteritum
Aktiv Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. zugi
nõmi fuari rieti
S.2.P. zugis,
-Æst nõmÆs, -Æst fuarÆs, -Æst rietÆs, -Æst
S.3.P. zugi nõmi fuari rieti
P.1.P. zugÆmÐs, -Æn nõmÆmÐs, -Æn fuarÆmÐs, -Æn rietÆmÐs, -Æn
P.2.P. zugÆt nõmÆt fuarÆt rietÆt
P.3.P. zugÆn nõmÆn fuarÆn rietÆn
Partizipium
Praeteriti
gizogan ginoman
gifaran girõtan
Den Verben mit
untrennbaren Präfixen fehlt das gi- (z.B. fir-noman).
II. Schwache
Verben
Die schwachen,
weitgehend abgeleiteten Verben zerfallen nach der Art der
Stammbildung
bzw. der Ableitungssuffixe in drei Klassen.
1. -j-Verben:
nerien retten (kurze Stammsilbe), suohhen suchen (lange Stammsilbe).
Dabei schwindet
das j im Althochdeutschen meist.
2. -æ- Verben:
salbæn salben
3. -Ð- Verben:
habÐn haben
Infinitiv
nerien suohhen
salbæn habÐn
Praesens Aktiv
Indikativ
S.1.P. neriu,
nerru suohhu salbæm, -æn habÐm, -Ðn
XCVII Vorwort
S.2.P. neris,
-ist suohhis, -ist salbæs, -æst habÐs, -Ðst
S.3.P. nerit
suohhit salbæt habÐt
P.1.P.
neriemÐs, -Ðn suohhemÐs, -Ðn salbæmÐs, -æn habÐmÐs, -Ðn
P.2.P. neriet
suohhet salbæt habÐt
P.3.P. nerient
suohhent salbænt habÐnt
Praesens Aktiv
Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. nerie
suohhe salbo habe
S.2.P. neriÐs,
-Ðst suohhÐs, -Ðst salbæs, -æst habÐs, -Ðst
S.3.P. nerie
suohhe salbo habe
P.1.P.
neriemÐs, -Ðn suohhemÐs, -Ðn salbæmÐs, -æn habÐmÐs, Ðn
P.2.P. neriÐt
suohhÐt salbæt habÐt
P.3.P. neriÐn
suohhÐn salbæn habÐn
Imperativ
S.2.P. neri
suohhi salbo habe
P.1.P.
neriemÐs, -Ðn suohhemÐs, -Ðn salbæmÐs, -æn habÐmÐs, -Ðn
P.2.P. neriet
suohhet salbæt habÐt
Partizip
Praesens
nerienti
suohhenti salbænti habÐnti
Praeteritum
Aktiv Indikativ
S.1.P. nerita suohta salbæta habÐta
S.2.P. neritæs, -æst suohtæs, -æst salbætæs, -æst habÐtæs, -æst
S.3.P. nerita suohta salbæta habÐta
P.1.P. neritumÐs, -un suohtumÐs, -un salbætumÐs, -un habÐtumÐs, -un
P.2.P. neritut suohtut salbætut habÐtut
P.3.P. neritun suohtun salbætun habÐtun
Praeteritum Aktiv Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. neriti suohti salbæti habÐti
S.2.P. neritÆs, -Æst suohtÆs, -Æst salbætÆs, -Æst habÐtÆs, -Æst
S.3.P. neriti suohti salbæti habÐti
P.1.P. neritÆmÐs, -Æm suohtÆmÐs, Æm salbætÆmÐs, -Æm habÐtÆmÐs, -Æm
P.2.P. neritÆt suohtÆt salbætÆt habÐtÆt
P.3.P. neritÆn suohtÆn salbætÆn habÐtÆn
Partizip
Praeteriti
ginerit
gisuohhit gisalbæt gihabÐt
Den Verben mit
untrennbaren Präfixen fehlt das gi- (z.B. bislihtit).
III.
Praeteritopraesentia
Die
Praeteritopraesentia sind Praeteritum-(Perfekt-)Stämme, welche nach dem Verlust
der
ursprünglichen resultativen Zustandsbedeutung präsentiale Bedeutung angenommen
haben (z.B. ich
habe gesehen = ich weiß; ich bin in Schulden geraten = ich soll). Bei
XCVIII Vorwort
ihnen tritt das
Praeteritum an die Stelle des Praesens, so daß sie grundsätzlich wie
gewöhnliche
althochdeutsche starke Praeterita flektieren. Als Praeteritum wird nach Art
der schwachen
Verben eine neue Form geschaffen. Im Althochdeutschen gibt es elf
solcher Verben,
welche zu den sechs Ablautreihen wie folgt gehören
(1) wizzan
wissen (germ. *witan)
(aigan haben)
(germ. *aigan)
(2) tugan
taugen (germ. *dugan)
(3) unnan
gönnen (germ. *unnan)
mit Komposita)
kunnan wissen
(germ. *kunnan)
durfan bedürfen
(germ. *þurfan)
mit Komposita)
gi-turran wagen
(germ. *ga-dursan)
(4) skulan
sollen (germ. *skulan)
(gi-nah- es
genügt) (germ. *ga-nugan)
(5) mugan
können (germ. *mugan)
(6) muozzan
können (germ. *ga-motan)
Praesens Aktiv
Indikativ
S.1.P. weiz .
kan skal mag muoz
S.2.P. weist .
kanst skalt maht muost
S.3.P. weiz
tuog . (ginah) . .
P.1.P. wizzumÐs
. kunnun skulun mugun muozun
P.2.P. . . . .
. .
P.3.P. . tugu .
. . .
Praesens Aktiv
Optativ
wizzi (kunni)
skuli mugi muozi
Praeteritum
Aktiv Indikativ
wista tohta konda skolta mahta muosa
Partizipium
Praeteriti
giwizzan
IV.
Unthematische Verben (athematische Wurzelverben)
1. sein
Die Formen
werden gebildet von den (idg.) Stämmen es-, bheu- und wes-.
Praesens Aktiv
Indikativ
S.1.P. bim
(germ. *im)
S.2.P. bist
(germ. *is)
S.3.P. ist
(germ. *ist)
XCIX Vorwort
P.1.P. birum
(germ. *ezum)
P.2.P. birut
(germ. *ezuþ)
P.3.P. sint
(germ. *sind)
Praesens Aktiv
Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. sÆ
S.2.P. sÆs,
sÆst
S.3.P. sÆ
P.1.P. sÆm, sÆn
P.2.P. sÆt
P.3.P. sÆn
Infinitiv
Der Infinitiv
lautet zunächst wesan, später auch neugebildet sÆn (Isidor, Tatian, Otfrid,
Notker).
Imperativ wis
S.2.P. weset
P.2.P.
Das Partizipium
Praeteriti kommt althochdeutsch nicht vor.
2. tun
Praesens Aktiv
Indikativ
S.1.P. tuon
(germ.
*dæm)
S.2.P. tuos, tuost (germ. *dæs)
S.3.P. tuot (germ. *dæd)
P.1.P. tuomÐs, tuon (germ. *dæmes)
P.2.P. tuot (germ. *dæd)
P.3.P. tuont
(germ. *dænd)
Praesens Aktiv
Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. tuo
S.2.P. tues
S.3.P. tuo
P.1.P.
P.2.P. tuot
P.3.P. tuon
Imperativ
S.2.P. tuo
P.1.P. tuomÐs
P.2.P. tuot
Praeteritum
Aktiv Indikativ
S.1.P. teta (germ. *dido)
S.2.P. tõti
(germ. *dedes)
C Vorwort
S.3.P. teta (germ. *dedo)
P.1.P. tõtum,
-un (germ. *dedum)
P.2.P. tõtut
(germ. *deduþ)
P.3.P. tõtum
(germ. *dedun)
Partizipium
Praeteriti
gitõn
3. gehen,
stehen
Neben den
beiden starken Verben gangan gehen und stantan stehen finden sich die
kurzen Formen
gõn (gÐn) und stõn (stÐn).
Praesens Aktiv
Indikativ
S.1.P. gõn
S.2.P. gõs,
gõst
S.3.P. gõt
P.1.P. gõmÐs
P.2.P. gõt
P.3.P. gõnt
Praesens Aktiv
Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. gÐ
S.2.P. gÐs,
gÐst
S.3.P. gÐ
P.1.P. gÐn
P.2.P. gÐt
P.3.P. gÐn
Imperativ
S.2.P. (gang)
P.1.P. gõmÐs
P.2.P. gõt
4. wollen
Das Verb wellen
(wollen) war ursprünglich ein indikativisch gebrauchter Optativ, zu
dem ein neuer
Optativ gebildet wird.
Praesens Aktiv
Indikativ
S.1.P. willu
S.2.P. wili
S.3.P. wili
P.1.P. wellemÐs, -Ðn
P.2.P. wellet
P.3.P. wellent
Praesens Aktiv
Optativ (Konjunktiv)
S.1.P. welle
CI Vorwort
S.2.P. wellÐs,
-Ðst
S.3.P. welle
Praeteritum
Aktiv Indikativ
wolta
Praeteritum
Aktiv Optativ (Konjunktiv)
wolti
N. Wortbildung
Wörter können
spontan neu geschaffen oder aus bereits vorhandenem Wortgut durch
Zusammensetzung
(Komposition) oder Ableitung gebildet werden.
I.
Zusammensetzung
Bei der
Komposition kennt das Althochdeutsche sowohl die echte, im Vorderglied
einen reinen
Nominalstamm verwendende Komposition (z.B. ahd. brðti-gomo,
Grundzahlen,
Personennamen) als auch die unechte, durch flektierte Form eines
Bestandteils
gekennzeichnete Komposition (z.B. ahd. sunnun-lioht, tages-zÆt) und sowohl
die nominale
(z.B. ahd. brðti-gomo, sunnun-lioht) als auch die verbale und durch Präfix
erfolgende
(unechte) Komposition (ahd. aba-neman, gi-neman, zuo-neman).
II. Ableitung
Die Ableitung
geschieht durch Anhängung formantischer Elemente, die vielfach keine
eigenständige
Bedeutung mehr erkennen lassen (Suffixe). Die meisten dieser Suffixe
sind aus dem
Indogermanischen ererbt, so daß auch für das Althochdeutsche
grundsätzlich
alle (indo-)germanischen Vokale und Konsonanten als Suffixe in Betracht
kommen.
Suffixlos sind demgegenüber die Wurzelnomina. Innerhalb der Ableitung sind
nominale und
verbale Stammbildung zu unterscheiden.
1. Nominale
Stammbildung
a) Wurzelnomina
Von den im
Indogermanischen direkt aus der Wurzel gebildeten Nomina
(Wurzelnomina)
hat das Althochdeutsche einige bewahrt (z.B. ahd. fuoz Fuß, man
Mann, burg
Burg, turi Türe, kuo Kuh, mðs Maus, sð Sau, nasa Nase).
b) Vokalsuffixe
-a- : Nomina
actionis aus Verbalwurzeln, Adjektive, Erweiterung
von
Wurzelnomina
ahd. snÐo
Schnee, strÆt Streit, werk Werk, liob lieb, jõr Jahr
-æ- (=a) : Nomina actionis
ahd. geba Gabe, ginõda Gnade
-i- (=i) : Nomina actionis
ahd. kuri Wahl, biz Biß
-u- (=u) : Substantive, selten
ahd. fihu Vieh
CII Vorwort
-ja- (=i), -jæ-
(=i) : Verbalabstrakta, Adjektive
ahd. kunni
Geschlecht, irri irre
-Æ-, -jæ- :
Feminina, selten
ahd. diu Magd
-wa-, -wæ- (=o)
: Adjektive
ahd. garo
bereit, gelo gelb
c)
Liquidasuffixe
-r- :
Verwandtschaftsnamen, selten
ahd. zeihhur
Bruder des Gatten
-ra-, -ræ- (=r)
: Adjektive, Substantive
ahd. bittar
bitter
-ru- (=r): :
Substantive, selten
ahd. hungar
Hunger
-ri- (=ri) :
Adjektive, selten
ahd. tiuri
teuer
(idg.) -ero
(=aro) : Adjektive
ahd. untaro
untere
-arja (=õri) :
Nomina agentis, (Lehnwörter)
ahd. toufõri
Täufer, munizzõri Münzer
-la- (=l), -læ- (=l), -ila-, -ala-, -ula- : Adjektive, Substantive
ahd. fðl faul,
wÆla Weile, mihhil groß, angul Angel, butil
Büttel,
skalkilo Knechtlein
-li- (=l) :
selten
ahd. teil Teil,
sðl Säule
-sla-, -slæ-
(=sla), -isla-, isli-, -islo-: Abstrakt- und Konkretbezeichnungen
ahd. ahsala
Achsel, knuosal Geschlecht
d) Nasalsuffixe
-an- (=o), -æn-
(=a): Personenbezeichnungen, Nomina agentis, Feminina,
Abstrakt- und
Konkretbezeichnungen
ahd. gomo Mann,
boto Bote, hÆwa Gattin, skado Schaden,
ouga Auge
-jan- (=io),
-jæn- (=ia) : Personenbezeichnungen, Nomina agentis,
Konkretbezeichnungen
ahd. murdreo
Mörder, frouwa Frau, zeinna Korb
-in- (=i) :
feminine Eigenschaftsabstrakta
ahd. guotÆ
Güte, reinÆ Reinheit
-na- (=n), -næ-, -ana- (=an), -ina- (=in): Adjektive, Substantive,
Partizipia
Praeteriti, Infinitive der starken Verben
CIII Vorwort
ahd. eban eben,
zorn Zorn, bein Knochen, feihhan Arglist,
beran tragen,
ginoman genommen
-Æna- (=Æn) :
Adjektive, Substantive
ahd. guldÆn
golden, fulÆn Füllen
-sna- (=sno),
-snæ (=sna), -asna-, -isna- : Konkretbezeichnungen
ahd. segansa (?) Sense
-erna-, -arna-, -urna-: selten
ahd. diorna Jungfrau
-ni- (=n-, ni-), -ani-, -Æni- (=Æ) : Adjektive, Substantive
ahd. reini rein, toufÆ Taufe, lugÆ Lüge
-nu- : selten
ahd. trukkan
trocken, trahan Träne
-njæ- (=in),
-injæ-, -unjæ- (=un) : Feminina, Abstraktbezeichnungen
ahd. henin
Henne, festin Feste, mistun Misthaufe
-ænja- (=æni) :
Adjektive der Himmelsrichtung
ahd. æstræni
östlich
-ma- (=m), -mæ-
: Adjektive, Substantive, kaum noch produktiv
ahd. warm warm,
arm Arm
-mi- (=m) :
selten
ahd. wurm Wurm
-man- (=mo) :
Nomina actionis, Konkretbezeichnungen, nicht mehr produktiv
ahd. skÆmo
Schein, dðmo Daumen
-sman- (=smo) :
Nomina actionis, Konkretbezeichnungen
ahd. besamo
Besen, deismo Sauerteig
e) s-Suffixe
(-iz-), (-az-),
(-uz-): Substantive, kaum noch produktiv
ahd. haz Haß,
rind Rind
-isjæ- (= sia,
-is), -usjæ(n)-: Abstrakt- und Konkretbezeichnungen
ahd. akkus Axt
-sa- (=s),
-sæ-, -isa- (=is), -asa-, -san- (=so), -sæn: Abstrakt- und
Konkretbezeichnungen, Tierbezeichnungen
ahd. sahs Messer, lahs Lachs, ros Roß, felisa Fels, egiso
Schrecken
-is-, -is-ta-, -æs-ta- : Komparativ- bzw. Superlativsuffix
f)
Dentalsuffixe
-þ- (=z,d), -aþ-, -iþ-, -uþ-: selten
ahd. gluot Glut, helid Held
-þa- (=d), -þæ-, -iþa-, -iþæ- (=ida): Adjektive (Partizipien), Abstrakt
bezeichnungen
CIV Vorwort
ahd. tæd tot,
mord Mord, eid Eid, irlæsida Erlösung
-þan- (=do),
-aþan- (=ado), -iþan- (=ido): Abstraktbezeichnungen
ahd. huosto
Husten, irrido Irrtum
-þja- (=di),
-Æþja- (=idi): Adjektive, Kollektivbegriffe
ahd. muodi
müde, juhhidi Joch
-þi- (=t) :
Verbalabstrakte, Nomina actionis, Nomina agentis
ahd. list List,
maht Macht, bluot Blüte, næt Not, gast Gast
-þu- (=t),
-oþu- : Verbalabstrakta, Nomina agentis
ahd. fridu
Frieden, tæd Tod, durst Durst, wirt Wirt, smid
Schmied
-assu-, -issu-,
-ussu-, -nassi-, -nessi-, -nissi-, -nussi-: Abstraktbezeichnungen
ahd. gilÆhnissi
Gleichnis, finstarnissi Finsternis
-st- (=st): :
Abstraktbezeichnungen
ahd. træst
Trost, rost Rost, anst Gunst, angust Angst
-nd- (=nt),
-und- (=unt): Verbaladjektive (Partizip Präsens)
ahd. fÆjant
Feind, friunt Freund
-t- (=z), -ta-
: Tierbezeichnungen, Konkretbezeichnungen
ahd. hirz
Hirsch, binuz Binse
(idg. -dh-)
(=t) : Substantive
ahd. hort Hort,
situ Sitte
(idg. -ter-)
(=ter) : Verwandtschaftsbezeichnungen
ahd. fater
Vater, bruoder Bruder, tohter Tochter
(idg. -tero-,
-toro-, -tro-) (=dar): Raumbezeichnungen
ahd. andar
andere, widar gegen
(idg. -tel)
(=dil) : selten
ahd. friudil
Geliebter
-þra-, -þræ-, -dra-, -dræ- (=dar, tar): Nomina actionis, Instrumental
bezeichnungen
ahd. lahtar
Gelächter, kwerdar Köder, blattara Blatter
-stra- (=star)
: Substantive
ahd. lastar
Tadel
-aldra-
(=altra), -uldra-, -aldræ-, -uldræ-: Baumbezeichnungen
ahd. mazzaltra
Maßholder, hiufeltra Dornstrauch
-þla- (=dal),
-þlæ-, -dla-: Instrumentalbezeichnungen, Abstraktbezeichnungen
ahd. stadal
Stadel
g)
Gutturalsuffixe
-ha-, -ga-,
-aha-, -aga- (=ag), -Æga- (=Æg) : Adjektive
ahd. heilag
heilig, mahtÆg mächtig
-ahta- (=aht),
-uhta-, -ihta-: Adjektive
CV Vorwort
ahd. houbitaht
mit Haupt versehen
-ahja (=ahi) :
Kollektivbezeichnungen
ahd. eihhahi
Eichengehölz
-ska- (=sk-),
-skæ- : Adjektive, selten
ahd. hursk
schnell
-iska- (=isk) :
Adjektive der Herkunft
ahd. diotisk
völkisch, himilisk himmlisch
-inga- (=ing),
-unga-: Personen- und Sachbezeichnungen
ahd. kuning
König, skilling Schilling
-linga- (=ling)
: Personen- und Sachbezeichnungen
ahd. gatiling
Verwandter
-ingæ-, -ungæ-
(=unga) : Abstraktbezeichnungen
ahd. zehanunga
Zehnzahl, manunga Mahnung
-k-, -ka-,
-kæ-, -aka-, -ika- (=ih), -uka- (=uh) : Tierbezeichnungen,
Konkretbezeichnungen, Adjektive
ahd. habuh
Habicht, armih ärmlich
-ikÆna- (=hhÆn)
: Deminutivsuffixe, selten
ahd. lærihhÆn
Kaninchen
-inklÆna-
(=iklÆn) : Deminutivsuffix
ahd. huoniklÆn
Hühnlein
h)
Kompositionssuffixe
-dæma- (=tuom)
: germ. *dæmaz Urteil, Stand, Würde, Ruhm
ahd. heilagtuom
Heiligtum, rÆhtuom Reichtum
-haidu (=heit)
: germ. *haiduz Erscheinung, Art
ahd. kindheit
Kindheit, slafheit Schlaffheit
-skapi-,
-skafti- (=skaf, skaft): germ. *skapiz, *skaftiz Beschaffenheit
ahd. fÆjantskaf
Feindschaft, lantskaft Landschaft
-laika (=leih)
: germ. *laika- Tanz, Spiel
ahd. hÆleih
Hochzeit
-stabi- (=stab)
: germ. *stabi Stab
ahd. eidstab
Eidspruch, ruogstab Rügspruch
-daga- (=tag) :
germ. *daga- Tag
ahd. siohhitag
Siechtum, nakkottag Nacktheit
-warja-
(=weri?) : germ. *warja Wehrer
ahd. burgari(?)
Burgbewohner
-apa- (=afa) :
germ. *apa-? Wasser
ahd. Flußnamen
-lÆka- (=lÆh) :
germ. *lÆka- Leib, Körper
ahd. diolÆh
demütig, ebanlÆh gleich
CVI Vorwort
-sama- (=sam) :
germ. *sama derselbe
ahd. langsam
langsam, sworgsam sorgsam
-kunda- (=kund)
: germ. *kunda- stammend
ahd. gotkund
göttlich
-hafta- (=haft)
: germ. *hafta behaftet, gefesselt
ahd. Ðwahaft
rechtlich, wõrhaft wahr
-fasta- (fast)
: germ. *fasta fest
ahd.
ungimezfast unmäßig
2. Verbale
Stammbildung
Die verbale
Stammbildung erfolgt - abgesehen von den wenigen Wurzelverben -
ebenfalls mit
Hilfe von Suffixen. Dabei können für neue Verben sowohl
Nominalstämme
als auch Verbalstämme die Ableitungsgrundlage abgeben. Besonders
produktiv ist
dabei der Bereich der schwachen Verben.
a. Wurzelverben
sein, tun,
gehen, stehen
ahd. (sÆn),
tuon, gõn, stõn
b. Verben mit
Präsensreduplikation: selten
ahd. bibÐn
beben
c. Verben mit
thematischem Vokal (germ. -i-, -a-): die meisten Präsentien
der starken
Verben
ahd. stÆgan
steigen, biotan bieten, werdan werden, beran tragen,
geban geben
d. Verben mit
stammbildendem -æ-: zweite Klasse der schwachen Verben
ahd. salbæn
salben, irræn irren
e. Verben mit
-j-Suffix: starke Verben mit präsensbildendem Suffix -ja-
(fünfte und
sechste Ablautreihe), schwache Verben der ersten und
dritten Klasse
ahd. sizzen
sitzen, bitten bitten, nerien retten, trenken tränken,
habÐn haben,
lebÐn leben
f. Verben mit
Nasalformans
ahd. stantan
stehen (,fõhan fangen), klenan schmieren, ginÐn
gähnen
g. Verben mit
s-Suffix: nicht sehr häufig
ahd. forskæn
forschen, wunsken wünschen
h. Verben mit
sk-Suffix
ahd. brestan
bersten
i.Verben mit
t-Erweiterung
ahd. skeltan
schelten, ladan laden
k.Verben mit
-st-Suffix
CVII Vorwort
ahd. wahsan
wachsen
l. Verben mit t
(=idg. -dh)-Erweiterung
ahd. waltan
walten, rõtan raten
m. Verben mit z
(=idg. -d)-Erweiterung
ahd. smelzan
schmelzen, skiozan schießen
n. Verben mit
-atja-, -itja-Suffix (=-azzen, -ezzen): intensiv-iterative Bedeutung
ahd. fallezzen
zusammenfallen, heilazzen heilen
o. Verben mit
k-Suffix: Iterative
ahd. walkan
walken
p. Verben mit
l-Suffix: Iterative, Deminutive
ahd. hantalæn
behandeln
q. Verben mit
r-Suffix: Iterative
ahd. zwizziræn
zwitschern
r. Verben mit (i)næn-Suffix
ahd. festinæn
festigen, dionæn dienen
O.
Fremdsprachliche Einflüsse auf den Wortschatz
Mit den
verschiedenen Möglichkeiten fremdsprachlichen Einflusses auf den Wortschatz
hat sich vor
allem Werner Betz am Beispiel des Althochdeutschen befaßt. Er ist dabei
zu folgender
Systematik gelangt:
Fremdsprachlicher Einfluß
fremdsprachliches Wortmaterial eigensprachliches Wortmaterial
([Fremd- und]
Lehnwort) (Lehnprägung)
Fremdwort
Lehnwort (i.e.S.) neue Form neuer
(blue jeans)
(Bischof) Lehn- Inhalt
bil- Lehndung
bedeutung
(lat.
deus-
Gott)
Lehn- Lehnfor-
schöCVIII
Vorwort
mung pfung
(frz.
Cognac-
Wein
brand)
Lehn- Lehnüber-
übersetzung
tragung
(lat. con- (lat. paenscientia-
insula-
Gewissen)
Halbinsel)
Dabei sind
Fremd- und Lehnwörter Übernahmen der Formen (Lautgestalten) fremder
Sprachen.
Fremdwort ist das aus einer fremden Sprache unter Bewahrung seiner
Lautgestalt
übernommene Wort (nhd. blue jeans), Lehnwort das aus einer fremden
Sprache unter
Abänderung der Lautgestalt (gemäß den Regeln der aufnehmenden
Sprache)
übernommene Wort (nhd. Bischof), wobei die Grenze zwischen Bewahrung
und Abänderung
der Lautgestalt nicht in jedem Fall eindeutig gezogen werden kann.
Lehnprägungen
sind Wiedergaben fremdsprachlicher Inhalte mit eigensprachlichen
Mitteln, wobei
zwischen Lehnbildung und Lehnbedeutung zu unterscheiden ist.
Lehnbildung ist
die Nachbildung des fremden Wortes mit eigensprachlichem Material,
welche als
Lehnübersetzung, Lehnübertragung oder Lehnschöpfung erfolgen kann.
Dabei bildet
die Lehnübersetzung das - mehrgliedrige - fremde Wort Glied für Glied
nach (lat.
conscientia Gewissen). Die Lehnübertragung folgt teilweise dem -
mehrgliedrigen
- Vorbild und teilweise nicht (lat. paeninsula Halbinsel). Die
Lehnschöpfung
verdankt dem Vorbild nur den gedanklichen Anstoß (frz. cognac
Weinbrand). Die
Lehnbedeutung ist die Erweiterung bzw. Veränderung der Bedeutung
eines ererbten
und lautgestaltlich unveränderten eigensprachlichen Wortes unter dem
Einfluß eines
fremdsprachlichen Wortes (Gott, Geist, Seele), so daß sich bei Bildung
einer
Lehnbedeutung nur der Inhalt (Bedeutung) des eigensprachlichen Wortes ändert,
nicht dagegen
die äußere Form (Lautgestalt).
Innerhalb
dieser verschiedenen Möglichkeiten des fremdsprachlichen Einflusses sind
Fremd- und
Lehnwort relativ einfach zu erkennen, Lehnprägungen dagegen oft nur
mühsam und
unsicher zu ermitteln. Im einzelnen können hierbei folgende Merkmale
auf
fremdsprachlichen Einfluß deuten: Bauentsprechung zwischen fremd- und
eigensprachlichem Wort, späte Produktivitätszeit eines Wortbildungselementes,
CIX Vorwort
fremdsprachliche Regelmäßigkeit einer Wortbildung, Komplexität einer
Wortbildung,
geringe
Belegzahl (insbesondere
hapax legomenon),
spätes Auftreten, Fehlen in anderen germanistischen Sprachen oder
anderen
eigensprachlichen Sprachstufen, miteinander konkurrierende Interpretamente
für ein
einziges Lemma, Textcharakter (z.B. Interlinearversion, Glosse) oder kulturelle
Beeinflussung.
Je mehr dieser Merkmale in einem Fall gegeben sind, desto sicherer
kann der
fremdsprachliche Einfluß vermutet werden. Wegen der dabei zwangsläufig
verbleibenden
Unsicherheit sind die im Wörterbuch gegebenen Vorschläge vielfach mit
Fragezeichen
versehen, über deren Berechtigung nur die sorgfältige Einzelforschung
entscheiden kann.
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